Ars Electronica: Thomas Macho und „Eigentum ist Diebstahl“

Einer der spannendsten VortrĂ€ge im zweiten Teil des heutigen Symposiums kam eindeutig von Thomas Macho, Kulturwissenschaftler und Philosoph und derzeit Professor fĂŒr Kulturgeschichte an der Humboldt-UniversitĂ€t in Berlin. Sein Vortrag war der wohl philosophischste – und kam auch nicht ohne Hegel und Kant aus. So war auch der Titel des Vortrags auch ein Hegel-Zitat – „Die Landstraße, wo jeder geht“ in der er eine kleine Erfolgsgeschichte des Stehlens prĂ€sentierte.  Wie kam es eigentlich zu dem VerstĂ€ndnis von Besitz und Eigentum, wie wir es heute kennen. Er zeichnete – durchaus auch amĂŒsant – die Geschichte des Urhebergesetzes auf und wies darauf hin, dass unser VerstĂ€ndnis nicht unbedingt „Gott-gegeben“ oder selbstverstĂ€ndlich sei, sondern sich auch erst in den letzten Jahrhunderten entwickelt hat. Zugespitzt formulierte er: „Zuerst kam der Diebstahl, dann das Eigentum.“

Als der Mensch vor nur wenigen Jahrtausenden StĂ€dte grĂŒndete und begann, regelmĂ€ĂŸige Landwirtschaft zu betreiben und damit den Status des JĂ€ger und Sammlers hinter sich ließ, musste erst einmal Land genommen werden. Erst hier (also irgendwann zwischen 15.000 und 10.000 vor unserer Zeitrechnung) wurde Besitz verteilt und der Begriff Eigentum sich entwickelt. War das immer rechtmĂ€ĂŸig – und wenn nicht, wurde das jemals ausgeglichen? Kant formulierte vorsichtig – jedoch sehr deutlich: „Alle Menschen sind ursprĂŒnglich (…) im rechtmĂ€ĂŸigen Besitz des Bodens, d.h. sie haben ein Recht, da zu sein, wohin sie die Natur oder der Zufall (ohne ihren Willen) gesetzt hat.“ Kant nennt ihn „gemeinsamer Besitz, wegen der Einheit aller PlĂ€tze auf der ErdflĂ€che, als KugelflĂ€che“ – also im Grunde ein Allmende-Ansatz. 

Zu Ende des Vortrages stellte Macho wichtige Fragen auf: Wann darf ein Unternehmen, das einen bestimmten Farbwert als Markenzeichen verwendet, diesen auch sich als „geistiges Eigentum“ schĂŒtzen lassen (siehe Deutsche Telekom und die Druckgrundfarbe Magenta)? Welche Art des Eigentums an Kommunikationsmitteln – von Betriebssystemen bis zu Handy-Frequenzen – ist sinnvoll? DĂŒrfen Gensequenzen, die in der freien Natur seit zigmillionen jahren vorhanden sind patentiert werden? DĂŒrfen wichtige Medikamente nicht verschrieben und produziert werden, nur weil es eine Firma nicht will? Was ist meins, was ist Deins?

Oder um mit dem Subtitel der Ars Electronica 2008 zu schließen: Wo sind die Grenzen des Eigentums?

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