März-Slam: Es kommt immer darauf an, was man daraus macht

Volles Haus und Bombenstimmung – das war der Augsburger Slam im März. Zugereiste Gäste waren neben Karsten Hohage (Heidelberg), Michael Jakob aus Nürnberg und Harry Kienzler aus Tübingen. Weil dieses Mal nur 6 Kombattanten für den literarischen Wettkampf bereit standen, wurde kurzerhand das Reglement geändert. In zwei Vorrunden verringerte sich das Feld von 6 auf 4 und dann schließlich für das Finale auf 2 Slammer. Eigentlich klasse: So konnte man noch mehr Texte von den jeweiligen Favoriten hören…

Erste Vorrunde: Niveaulimbo
Den ersten Block startete Sarah Maria Nordt, die sich mit dem Jugendwort 2010 (Niveaulimbo) über den Verfall der Qualität im deutschen Fernsehen lustig machte. Besonders Nachmittagsprogramm unterbieten sich die Sender quotensüchtig und verblöden damit das Publikum, wo sie nur können. Furchtbar! Gar gruselig ging es mit Harry Kienzler weiter, der die   Schauerballade „Der schröckliche Schlossherr“ vortrug. Das enzige gutaussehende an dem ansonsten hässlichen, ja trollartigen Adligen war seine schöne Ehefrau – doch die trieb es lieber mit dem Diener, als mit dem Schlossherren. Dieser Verrat musste mit dem Tode bestraft werden! Aber die Geister der Verblichenen konnten auch nach ihrem Ableben nicht von einander lassen und spuken von nun an weiter im Wald – und lieben sich dabei inniglich. Eine sehr durchgeknallte Ballade! Leicht verrückt war auch die Hauptfigur in Cornelia Koepsells Prosa. Lotte hat im Büro einen Freund und das ist die Fliege Egon. Da Lotte mit dieser spricht – wie auch mit anderen Tieren -, wird sie krankgeschrieben. Die einzige Chance für Lotte, um aus dem Bezirkskrankenhaus entlassen zu werden, ist, dass sie gesund spielen musste…
Michael Jakob ist ja gerade auf seiner Slam-Abschiedstournee durch Deutschland. Er will noch in diesem Jahr den Slam-Hut an den Nagel hängen. Er fragte das Publikum eindringlich: „Verstehen Sie Spaß?“ Überall und ständig werden wir alle videoüberwacht – und das sei gar nicht mehr komisch, so sein Fazit. Da geschehe ja angeblich zu unser eigenen Sicherheit. Wirklich? „Mit herzlichen philosophischen Grüßen“ wurde Michael Friedrichs angeschrieben. In seinem bereits 85. Slam-Beitrag hinterfragte er diesen Satz und stellte fest: Das macht doch eigentlich gar keinen Sinn. Letzter im ersten Block war Karsten Hohage (auch bekannte als Grohacke): „Ich muss weg aus dem Herztickticktick…“

Zweite Vorrunde: Kommt immer darauf an, was man daraus macht…

Nun waren es nur noch vier Slammer im Wettkampf! „Ich wache auf“, so Michael Jakob. Und dabei stellte er fest, dass er Jesus war. Auf Facebook hatte er plötzlich 12 Freunde, und die auch noch alle jünger…! Nur das Ende der Geschichte sollte nicht am Kreuz sein… Sehr lustig: Die alte Geschichte noch einmal GANZ neu erzählt. Sarah Maria Nordt konterte mit „Der Tag an dem die Welt stillstand“. Ein Busfahrer entschied eines Morgens, einfach nicht zur Arbeit zu gehen. Damit löste er eine Kettenreaktion aus, an dessen Ende einfach Alle daheim blieben… Es „Kommt ja immer darauf an, was man daraus macht“ antwortete Karsten Hohage. Sei es kontroverse Kunst und Pferde-Zersägen, König sein oder Kräuterschnaps trinken… Harry Kienzler beendet die Vorrunde mit seinem Mix-Tape-Text: Eine Reise in die Vergangenheit, wo es noch keine MP3-Player gab… Klasse!

Finale: Giftmüll in der Wohngemeinschaft

Im Finale standen sich Michael Jakob und Harry Kienzler gegenüber. Während der Franke eine „Ode an die Namenlosen“ vortrug setzte Kienzler auf die Humor-Karte. Er berichtete von psychoaktivem Biomüll in seiner Wohngemeinschaft und durchgeknallten Träumen… Damit konnte er auch die Publikumsjury auf seine Seite ziehen und gewann prompt den März-Slam! Gratulation!
Alle Fotos wurden von Simon Schwager geschossen. Vielen Dank!

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