Grammatik und Poetry Slam

Ausnahmsweise an einem Donnerstag fand der Mai-Slam statt. Und mit dabei eine sehr gute Auswahl an klasse Slammern, die zum Teil auch am letzten Wochenende in Bamberg beim Bayern-Slam auf der Bühne standen. Wie zum Beispiel Alex Burkhard und Pierre Jarawan, beide München. Aber auch die lokale Slamily zeigte sich wohl vorbereitet und kämpfte um den Titel des Slammers des Monats Mai!

Ist mir Wurst
Es gibt sie immer noch: Fritz Köchels Reihe „Aus dem Tagebuch eines Säckels“. Schon lange haben wir nichts mehr von Fritz gehört, um so lustiger war es, ihn wieder auf der Bühne zu haben. Das diesmalige Thema (Kapitel 26): Eine Mitbewohnerin, die er endlich gefunden hatte. Doch dummerweise ist sie Vegetarierin. Das ist jedoch nichts, was der Säckel wieder hinbekommen hat – man muss das nur hartnäckig genug ignorieren…

Svenja Gräfen folgt als zweite Autorin uns las „Konturlos“, eine wunderschöne Lyrik in drei Schritten: „wir sind zu kurz belichtet und verlieren die Konturen“. Zum ersten Mal bei einem Poetry Slam trat Lydia Schwab auf. Die junge Lyrikerin stellte ihr „Gedicht zwischen zwei Städten“ vor – einem Pendlergedicht zwischen Augsburg und München. „Hin und zurück. / Hin und zurück. / Es gibt ein Zurück. Bis Mitternacht.“ Die letzte Lyrikerin im ersten Block: Malin Lamparter, die gerade frisch nach Augsburg gezogen ist. Die hatte einen Text über Beziehungen dabei : „Solange die Fassade steht / ist das Haus intakt.“
Das Publikum wollte sich nicht auf eine Finalistin einigen und so wurden Svenja und Malin ins Finale gewählt.

„Ich möchte mit Ihnen über Kunst sprechen…“
sagte Alex Burkhard und führte aus, wie die Kunst durch den Körper geht: „Legen Sie die Finger in die Wunder des Alltags!“. Sehr clever und meines achtens, einer der poetischsten Texte in den letzten Jahren auf Slam-Bühnen. Chapeau! Ihm folgte Alexander Ratschinskij mit „Ich könnte Kotzen!“ über den verdummenden Fernsehkonsum seiner Mitmenschen.

Pierre Jarawan, ebenso wie Burkhard aus München, schilderte seine harte Jugend. Als Grammatik-Fetischist war der Duden seine Bibel. Und seine Bereitschaft, grammatikalischer Fehler seiner Umwelt aufzuzeigen, empfand er – anders als sie selber – als Dienst zur Verbesserung der Welt. Doch endlich konnte er ein Mädchen finden dem wo das egal war. Letzte Slammerin am Abend: Sarah Maria Nordt mit einem genialen Text über Superman. Sehr lustig!

Auch im zweiten Block konnte das Publikum sich nicht auf einen Finalisten einigen und so zogen Alex Burkhard und Pierre Jarawan ins das Finale ein…

Das erste Vierer-Finale in Augsburgs Slam-Geschichte
Zum ersten Mal in der fast 14jährigen Geschichte des Augsburger Poetry Slams kam es nun zu einem Vierer-Stechen. Vier Poeten mit nur maximal drei Minuten Auftrittszeit – eine harte Nummer für Slammer, denn jetzt muss alles sitzen. Svenja Gräfen („Bis ich fliegen kann / gehe ich zu Fuß“), Malin Lamparter („Zu kleine Füße in zu großen Schuhen“), Alex Burkhard (mit seiner München-Compilation) und Pierre Jarawan (warum er nie ins Fernsehen kam) standen sich gegenüber. Und diesesmal konnte nur einer gewinnen – und der hieß Pierre Jarawan! Gratulation!

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