Slam im September: Hangover

Die Sommerpause kam einem mal wieder lĂ€nger vor, als sie wohl tatsĂ€chlich war. Nur knapp eineinhalb Monate gab es in Augsburg keinen Poetry Slam und trotzdem dĂŒrstet es mir schon wieder nach knalliger BĂŒhnenliteratur. Aus Berlin kam Falk Dietrich angereist und auch war wieder einmal Karsten Hohage aka Grohacke aus Heidelberg mit am Start. Wer letztendlich das Rennen machte? Das blieb spannend bis zum Schluss – mit einem Dreierfinale!

Erster Block: Starthilfen
Dieses Mal gab es auch wieder einige Slam-DebĂŒtanten auf der BĂŒhne zu erleben – immer zittert man mit und freut sich ĂŒber die ersten Erfolge. Ernie Unnt war einer von ihnen – und man konnte sich freuen. Er prĂ€sentierte seinen Text „Die Jungfrau von OrlĂ©ans“ – ein Spiel mit Namen von TheaterstĂŒcken: Der Besuch der alten Dame war dann doch nur viel LĂ€rm um nichts. Oder doch nicht? Frei vorgetragen und absolut schussfest – ein starker Start in die Slam-Szene! Art Rudolf folgte ihm nach und las viele Aphorismen und Kurzgedichte aus seinem Buch „Starthilfen“.

Falk Dietrich hat sich vor 6 Jahren, 8 Monaten, 4 Tagen und 2 Stunden von seiner Freundin getrennt. Es geht ihm langsam besser und ein Grund dafĂŒr kann man in seiner Kurzgeschichten-Reihe „Falk zurĂŒck im abenteuerlichen Single-Leben“ erfahren. Wie zum Beispiel in Folge 282 „Als Nelson Mandela, Barack Obama und Mahatma Ghandi gesagt haben: Falk Du bist eigentlich ganz okay so!“ Oder auch in Folge 834, in der er mit seiner Schwester ĂŒber Weihnachten telefoniert. Urkomisch – aber wie immer mit einigen tragischen Momenten… Wiktorio, eine weiterer Slam-Premiere des Abends, beendete den ersten Block mit einigen frei vorgetragenen Gedichten: „Hangover – oder: Wer hat die Coach versaut?“
Falk Dietrich wurde ins Finale geklatscht.

Zweiter Block: Böser, böser Text
Tja, die Bahn macht mobil. Wenn das denn stimmen wĂŒrde! Sarah Maria Nordt konnte nur den Kopf schĂŒtteln ĂŒber das was sie mal wieder beim Bahnfahren erleben musste. Auch Cornelia Koepsells Story handelte im Zug: „Sei doch nicht so!“ Anspielungsreich reagierte sie auf Andy Strauß‘ „Meerschweinchen“-Text vom Modular-Slam und Ă€rgerte sich ĂŒber diese Kaltherzigkeit in dessen Text.

Um mehr Achtsamkeit ging es auch im Text von Karsten Hohage. StĂ€ndig wird man bedrĂ€nget, geschubst, wird eingeparkt und und und… Kein Wunder, dass einem manchmal der Kragen platzt und sich dann an rĂ€cht. In seiner Story lĂ€sst er es heftig krachen und bittet dann doch zum Schluss um mehr RĂŒcksicht: „Dann passiert auch nichts!“ Ein Slam-DebĂŒtant eröffnete den September-Slam – ein weiterer beendete die Vorrunden: Benni. Mit einem Freestyle-Rap wob er ein Netz von Siddharta in die vierte Dimension und riss zum Schluss noch das Rathaus ab.
Das Publikum konnte sich nicht wirklich einigen und wÀhlte somit zwei Poeten in das Finale: Sarah Maria Nordt und Karsten Hohage.

Das Dreier-Finale
Spannende Kombination: Der liebeskranke Falk Dietrich, die sozialkritische Sarah Maria Nordt und der bitterböse Karsten Hohage. Eine schwere Entscheidung kĂŒndigte sich fĂŒr die Publikumsjury an. Doch Falk Dietrich ĂŒberraschte mit seinem „Falk ist gut drauf“-Text – sogar mit Happy End. Sarah Maria Nordt war in ihrem Altersheim-Text ein bißchen böse ĂŒber verratene Ideale  und Karsten Hohage hatte mit „Fitze-Fitze-Fatze / Dein Vater hat ’ne Glatze“ einen sozialkritischen Text ins Spiel gebracht. Mehrmals musste das Klatschergebnis wiederholt werden, so nah waren die Finalisten in der Wertung – und schließlich stand es fest: Sarah Maria Nordt ist die September-Siegerin! Gratulation!

Der nĂ€chste Slam findet am 28. Oktober statt – gleichzeitig der 13. Geburtstag des Augsburger Poetry Slams!

Alle Fotos wurden von Simon Schwager geschossen. Vielen Dank!

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