Februarslam mit „Guter Text“

Zum Februar-Slam war Augsburg schon wieder feste in den Krallen der bösen Eiskönigin. Nachdem es mehrere Tage heftig geschneit hatte und es wirklich ungewöhnlich kalt war, bibberten alle, ob ĂŒberhaupt jemand seine gutgeheizte Wohnung verlassen wĂŒrde, um zum Augsburger Lauschangriff zu fahren. Doch sie kamen alle: Tilmann Birr aus Berlin, Cornelius Coffin aus MĂŒhl und Harald Kienzler aus TĂŒbingen. Und natĂŒrlich wieder viele lokale Slammer und ein tolles Publikum, das die lokalen Slammer feierte!

Erste Runde
Erster Slammer in der ausverkauften KresslesmĂŒhle war ein Augsburger Autor, den ich schon lange nicht mehr beim Slam begrĂŒĂŸen durfte, mit dem mich aber eine lange gemeinsame Geschichte verbindet. Von 1991 – 2001 hatte ich mit JĂŒrgen JĂ€cklin (sowie Gerald Fiebig und anderen Autoren) das Literaturmagazin Zeitriss herausgegeben. JĂŒrgen hatte einen neuen Text dabei: „Video Kid“. Ein Kumpel hat eine Vorliebe fĂŒr Horrofilme. Beim gemeinsamen Ausgrabungsarbeiten fĂŒr ein Museum nerven die stĂ€ndigen ErzĂ€hlungen von den Gruselschockern. Doch plötzlich wird alles ganz anders – und endet schlimm… Wesentlich besser endete die Geschichte von Sarah Maria Nordt. Die dreizehnjĂ€hrige Slammerin hatte letzen Monat ihr Slam-Debut und ĂŒberraschte auch diesen Monat mit ihrem selbstsicheren Vortrag: „Ich hasse Zoos!“

Der gebĂŒrtige Kölner Cornelius Coffin musste seinen Freund trösten. Heike hatte mit Hauke Schluss gemacht. Und das gemeinerweise via Facebook. Sie stellte Hauke einfach ein Schild auf seine Farm bei Facebook: „Deine Erbeeren sind reif. Unsere Liebe ist welk. Lass uns Nachbarn bleiben!“. Da war der Schmerz groß. Albrecht Rau las die Ballade vom AmeisenbĂ€r. Der AmeisenbĂ€r litt tierisch unter Gicht und suchte Abhilfe. Freund Gunter gab den entscheidenden Tipp – das Ameisengift kann die Gliederschmerzen bekĂ€mpfen. So wurde der AmeisenbĂ€r zuerst geheilt – und dann gleich noch satt dazu. Praktisch! Cornelius Coffin zog ins Finale ein – der Mut eine Textpremiere in Augsburg zu machen wurde belohnt.

Zweite Runde
Der zweite Block startete mit Harald Kienzler. Kienzler, der gerne auch mit seinem Slam-Teampartner Jakob Nacken als Team TĂŒbingen die Slam-Szene rockt (und auch zweimal, 2006 und 2009 schon Vizemeister der German International Poetry Slam-Meisterschaften war). Er startete mit einem kleinen Vierzeiler („Ein Ufo schwebt im Schrebergarten / und sucht Kontakt zu neuen Arten.“) und prĂ€sentierte dann „Vier emotionale Varianten ĂŒber den Heimweg“ – schreiend, winselnd, lachend und einfach nur gut drauf. Klasse. Emotional wurde es auch bei dem nachfolgenden Autor. Michael Friedrichs prĂ€sentierte einen neuen, sehr liebevoll-amĂŒsanten Text aus der Luca-Reihe. Sein Enkelsohn startet nun die ersten Sprechakte. Der Familienkatze Oliver wurde sogar die Ehre des ersten Wortes zuteil: „Ouwa“ fĂŒr „Oliver“. Nur schade, dass kurz darauf wirklich alles „Ouwa“ hieß: Hunde, BĂ€ume, Autos…

Wie auch bei seinem letzten Auftritt vor zwei Jahren bewies der gebĂŒrtige Frankfurter Tilmann Birr großes Talent beim Imitieren von Dialekten. WĂ€hrend er damals die wunderbare Postamt-Story prĂ€sentierte konnte er diesmal von seinem Abenteuer als StadtfĂŒhrer auf einem Spreedampfer in Berlin erzĂ€hlen. Besonders ein bayerisches Ehepaar trieb ihn in den Wahnsinn. „Einen guten Text also“ wollte der letzte Autor am Abend Daniel Köberle vortragen. Er sollte prĂ€gend wirken, quasi „ein Schiffsanker-Tattoo auf einer Seemannsbrust“ sein, sollte politisch und voller Kompetenz sein – und „gefĂŒhlsechter als ein Kondom“. Anscheinend gelang ihm das, denn der Slam-Debutant konnte sofort ins Finale einziehen.

Finale
Mit „Carmen, wo ist San Diego“ las Cornelius Coffin einen weiteren komischen Text. Cornelius war auf dem Jakobsweg nach Camino de Santiago und traf dort eine Frau, die nicht wirklich Geografie-fest war. Überraschenderweise kam sie dann doch ans Ziel – und es war egal, dass dieses woanders lag als gedacht. Daniel Köberle konterte mit VorsĂ€tzen zum neuen Jahr. 365 VorsĂ€tze – fĂŒr jeden Tag in 2010 einen. Ob das wohl gut geht? Einen Vorsatz hat er am Freitag auf jeden Fall schon erfĂŒllt und das Publikum half tatkrĂ€ftig mit. Es wĂ€hlte Daniel Köberle zum Slammer des Monats Februar (BĂŒchergutschein von BĂŒcher Pustet). Beste Augsburger Slammerin war jetzt bereits zum zweiten mal Sarah Maria Nordt (Schreibkladde von boesner KĂŒnstlerbedarf). Gratulation!

Der nĂ€chste Poetry Slam findet am 26.3.2010 in der KresslesmĂŒhle statt. Der Vorverkauf lĂ€uft bereits auf Hochtouren.

PS: Cornelius Coffin sucht noch Nachbarn fĂŒr seine Farm bei Facebook. Ihr erreicht ihn auf Facebook: http://www.facebook.com/corneliuscasket

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