Ars Electronica 2005: Hybrid – Living in Paradox

Hybrid - Ars Eöectronica 2005“Wir leben im hybriden Zeitalter”, so Gerfried Stocker, kĂŒnstlerischer Leiter und Direktor der Linzer Ars Elektronica. Kulturen ĂŒberlagern sich, Grenzen brechen zusammen – egal ob geografisch, kĂŒnstlerisch, technisch oder psychologisch. Das hybride Zeitalter ist geprĂ€gt vom “Sowohl als auch”. Ein Beispiel stellt die Musik dar – das Sampling, das Mixen von VersatzstĂŒcken (zum Beispiel westlicher und orientalisch/asiatischer Musik bei “Buddhabar” oder anderen DJ-Platten) als Wahrnehmung verschiedener Optionen, die in einer zunehmend globalisierten Welt existieren. HybriditĂ€t findet sich heutzutage ĂŒberall: in der Technologie (sei es im Auto oder beim Handy), in der Politik und Wirtschaft, in der verschiedene Systeme zugleich wirksam sind, in der Medizin, in der mechanisch/elektrische Bestandteile unseren Körper ergĂ€nzen und auch natĂŒrlich in der Kunst, die alle vorher genannten Dinge auf ihre Weise widerspiegelt und verdeutlicht.

Globalisierung als Wegbereiter
Derrick de Kerckhove“Mit der Globalisierung kommt die Implosion, in der alle Kulturen aufeinanderprallen und sich die Zeitzonen ĂŒberlagern. In dieser Implosion integrieren sich die Dinge oder sie zerbrechen”, sagt Derrick de Kerckhove, Direktor des Marshall McLuhan Program in Culture & Technology, Assistent, Übersetzer und Co-Autor von Marshall McLuhan (”The medium ist the message.”), Autor diverser BĂŒcher (The Skin of Culture, Brainframes: Technology, Mind and Business und The Architecture of Intelligence) sowie Regierungsberater. Er ist der Kurator der zur Ars Electronica standardmĂ€ĂŸig dazugehörenden Konferenz, die in vier verschiedenen Themeneinheiten das PhĂ€nomen der Hybridisierung zu greifen versucht. In Drivers and Patterns of Hybridity soll zunĂ€chst das Thema selber umrissen werden – und der Mensch als das hybride Wesen, das hin und her gerissen zwischen Körper und Geist, erfasst werden. Was bedeutet es, dass sich Menschen heute zunĂ€chst “googlen”, bevor sie sich persönlich kennenlernen? Dass wir wie eine Schleimspur Kreditkartennummern, online besuchte Webadressen und auf Überwachungskameras festgehaltenen realen PlĂ€tze, Voicemail und Emailspuren digital hinter uns herziehen? Diese Frage möchte die Vortragsreihe Hybrid Identities innerhalb der Konferenz nachgehen. Die weiteren Schwerpunkte sind Hybrid Cultures and Politics und Hybrid Ecologies.

Eröffnungsparty – wenig hybrid, aber stark!
ÖBB HalleGestern wurde nun also in Linz die Ars Electronica 2005 eröffnet – und sie dauert noch bis zum 6.9. an. In der Montagehalle fĂŒr ZĂŒge der ÖBB am Linzer Hauptbahnhof wurde in einer fulminanten Eröffnungsparty zumindest die Theorie des Samplings, des Mischens, des Verquickens von unterschiedlichsten Kunstarten zur Praxis. Schon der Raum alleine war ein „Sowohl als auch“-Erlebnis – also doch irgendwie hybrid: an dicken Stahlseilen hingen Lokomotiven von der Decke und ließen den eigentlichen Nutzen der Party-Halle als sehr konkreten Arbeitsplatz noch ahnen. Videoprojektionen vermischten Live-Aufnahmen und Vorabaufgenommenes, digitale Welten und echte Kinderbilder, Arbeitswelt und Technotanz.
Emotional TrafficIn der Musik-Internet-Performance „Emotional Traffic“ der französischen KĂŒnstler Maurice Benayoun und Jean-Baptiste BarriĂ©re lasen die KĂŒnstler automatisch und in Echtzeit aus Internetforen Stimmungslagen (happy, alone, funny, angry, 
) aus und spiegelten diese zum einen auf garfischen Landkarten und bewegten Globen – nahmen sie zum anderen auch als Basis fĂŒr ihre musikalische Partitur. Wenn auch musikalisch eher dröhnend-rauschend und von der Stimmungslage eher bedrohlich und triste, so war das doch sehr interessant – wenn auch der zugrundelegende Mechanismus nicht wirklich klar wurde.
Der Abschluss-Techno-Track der deutschen DJane ADA, die von den tĂŒkischen VJs de:fect untermalt wurde, war dann zwar inhaltlich dĂŒnn und der Zusammenhang mit dem Ars-Motto war mehr behauptet als erlebbar – war aber doch partymĂ€ĂŸig der beste Abschluss.

Siehe auch meinen zweiten Artikel ĂŒber die Ars 2005.

  1. Pingback: e-Thieme » Blog Archive » Ars electronica 2008: A NEW CULTURAL ECONOMY - Wenn Eigentum an seine Grenzen stĂ¶ĂŸt

  2. Pingback: e-Thieme » Blog Archive » Ars Electronica: “The medium ist the message” - oder etwa doch nicht?

  3. Kommentar zu Ars Electronica 2005: Hybrid - Living in Paradox von e-Thieme » Blog Archive » Medienfestival lab.30 gestartet

    […] Ars Electronica 2005: Hybrid – Living in Paradox (2.9.2005) […]

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    […] Siehe auch meinen ersten Artikel ĂŒber die Ars 2005. […]

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