Wenn Wolfgang Petry Amerika entdeckt hätte – der Augsburger Slam im Januar

So fing das Slam-Jahr natürlich gut an. Mit Jens Wienand, dem Erfinder des Petry-Slams und Benny Illgner, einem jungen Comedian aus Stuttgart und einer wieder einmal sehr starken Augsburger Slam-Riege konnte der Abend natürlich nur äußerst unterhaltsam und größtmöglich abwechslungsreich werden. Von Politik bis zum Dschungelcamp, von Säuglingen bis zu Superhelden war alles geboten, was gute Slam Poetry aus macht.

Zieh die Notbremse!
„Wir leben im falschen System“, so Peter Knuhr, der mit diesen Worten den ersten Slam-Wettkampf 2012 eröffnete. Mit diesem Satz konnte man in den 70er Jahren die Bprger noch erschrecken. Heute steht er in Wirtschaftsmagazinen auf den Titelblättern. So machte sich Peter Gedanken über Systemrelevanz und fand dabei die Ratten als Beispiel. Alleine in Rom leben von ihnen 8 Millionen! Würde man sie alle vernichten, dann würde Rom zusammenbrechen, denn die vermeintlichen Ungeziefer machen wertvolle Arbeit im Untergrund und räumen die Kanalisation auf… Tanja Schössow stand an diesem Abend zum ersten Mal auf einer Slam-Bühne. Sie hatte „Sonnen- und Regentage“ mitgebracht. Während sie an Regentagen unfair, missgelaunt und böse zu der Umwelt ist, so ist sie wenn die Sonne scheint das komplette Gegenteil. Eine emotional flexible Frau!
Der Jungcomedian Benny Illgner aus Stuttgart las von „Berühmt sein und anderer Scheiß“. Ein wahrer Rundumschlag ins Duschungelcamp mit dicken Backpfeifen an all die wohl auch zu Recht vergessenen ehemaligen Stars, die dort ein Comeback versuchen. Sarah Maria Nordt erzählte von Montagmorgen in der Straßenbahn. Stakkatohaft und schnell erzählte sie vom täglichen Stress, von der ewigen Wiederholung vom Trott, vom Trott, vom Trott. Da hilft nur eins! Notbremse ziehen!

Genese des Lächelns
„Unglück kommt selten von alleine“, meint Chris Weiblen. Klaus ist nämlich ein Spätzünder. Mit 25 Jahren hat er noch immer keinen Burnout erlitten. Während alle um ihn herum unglücklich sind, kann er immer noch lachen. Da muss doch irgendetwas falsch sein? Klaus beschließt sein Leben nachhaltig zu ändern, weil er sich als Außenseiter fühlt. Und tatsächlich schafft er es mit brachialen Anstrengungen! Leider muss er die Anerkennung dann natürlich alleine genießen, schließlich hat er ja dann auch keine Freunde mehr…
Michael Friedrichs hatte einen wesentlich zarteren Text mitgebracht: „Elena, 10 Tage – oder: Wie das Lächeln in die Welt kam“. Darin schilderte er die schwer verständliche Mimik eines Säuglings das trotzdem einfach Lächeln kann und tiefste Zufriedenheit ausstrahlen kann. Letzter am Abend – es waren im Januar nur 7 Slammer angetreten – war Jens Wienand aus Mannheim. In „Jeder so wie er will“ malte er die Nachwelt eines frisch Verstorbenen aus. Doch statt Hölle und Teufel findet dieser eine eher an ein SPA erinnernde Landschaft mit netter Begrüßung vor. Auf die Frage, wo denn die grausame Hölle sei, verwies ihn der Unterwelt-Portier zu einem Nebenraum, wo tatsächlich alles so war, wie in der Bibel beschrieben. Auf die Frage, wer denn da hinkomme, sagte man ihm: „Das ist für die Katholiken, die wollen das halt unbedingt so!“

Harmonisches Finale

Im Finale trafen sich Sarah Maria Nordt, Chris Weiblen und Jens Wienand wieder. Sarah ratterte ihren „Tussen tanzen Ballett“-Text runter, Chris Weiblen knüpfte an „Ein Unglück kommt selten alleine“ an (Lyrix der Superheld versucht seine Beziehung zu retten) und Jens Wienand fabulierte, was wohl passiert wäre, hätte nicht Christoph Kolumbus, sondern Wolfgang Petry Amerika entdeckt! Wahnsinn! Trotz mehrfacher Abstimmung konnte sich das Publikum nicht auf einen Sieger einigen. So gewann zum ersten Mal in der Augsburger Slamgeschichte ein Dreierteam! Gratulation!

Alle Fotos wurden von Simon Schwager geschossen. Vielen Dank!

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