Testosteron gegen Depression

Nico SemsrottSo zugespitzt wie im Titel des Blogeintrages konnte man den Slam Abend auch zusammenfassen. Zumindest machte das eine Besucherin so. Aus Hamburg war Nico Semsrott angereist – aus Franken Michael Jakob. Ein klasse Abend! Einziger Wermutstropfen: zum ersten Mal seit x Jahren standen nur 7 AutorInnen auf der Leseliste standen. So gab es also ein Stechen zwischen nur 7 Slammern. Doch viele im Publikum anwesende Slammer, die sich nicht eingeschrieben hatten, machten Mut & Lust auf die nächsten Abende!

Michael Friedrichs hatte ja bereits im Januar-Slam über seinen Enkel Luca ein Gedicht geschrieben. Dem ersten Gedicht lies Friedrichs ein Update folgen: „Luca, 23 Wochen“. Aktuell lernt der Kleine gerade das Sich-Umdrehen. Noch klappt es nicht ganz und der Kopf plumpst laut auf die Matte. Das wichtigste Kommunikationsmittel kann er dagegen schon: Das Lächeln. Sehr süß! Für ein bisserl ältere Jungs präsentierte Lasse Samström seine „Jungslyrik“, bei der ihm nicht nur literarisch die Stange gehalten wurde. Aus Hamburg war wieder Nico Semsrott nach Augsburg gekommen. Mit im Gespäck war sein Text „Was ich gut finde“. Semsrott schreibt einfach gerne über seine Depressionen; ein Thema an dem man sich gut aufhängen kann. „Wir scheitern nicht alle eventuell – sondern garantiert. Es geht nur um das WIE!“ Sir Miro van Mustard (Thomas Laschnyk) war der letzte Autor im ersten Bock. Er hatte den Kunstnamen einer seiner Figuren angenommen und äußerte sich als „Alliterationskosmetiker“ mit einem äußerst geistreichen Wortspiel. Nico Semsrott wurde ins Finale geklatscht!

Den zweiten Block eröffnete Peter Knuhr. Er hatte sich den Berlin-Text „Todesstreifen“ vorgenommen: ein trostloser Ausflug in den Ostteil der getrennten Stadt, Anfang der 60er Jahre. Michael Jakob folgte ihm mit „Opfer“. Er beklagte sich: Immer werden Männer als die Blöden dargestellt, immer sind sie es, die die Hormongetriebenen sind. Aber ist es nicht auch umgekehrt?


Michael Jakob – Slam Augsburg 17. April 2009 von Slam Augsburg.

Der dritte im zweiten Block war Daniel Grube, der an seinem Abend seine Slam-Premiere feierte. Er las „Das Opernhaus“, ein surrealer Besuch der zum Aufeinandertreffen mit Gott führte. „Warum tust Du das, was Du tust?“ fragte der Protagonist. „Aus Langeweile“, so Gott. Michael Jakob zog ins Finale ein.

Das Finale hieß also Hamburg versus Nürnberg, oder Testosteron gegen Depression. Nico Semsrott, Gewinner des ersten Blocks startete mit seinem „Quallen“-Text. Quallen sind ja das Vorbild für unsere Gesellschaft: Kein Hirn und äußerst flexibel. Michael Jakob antwortete mit dem erotischen Gedicht „Das Licht am Ende des Tunnels“. Mit großem Applaus wurden beide Finalisten gefeiert – und Nico Semsrott konnte sich als Gewinner des 118. Augsburger Slams durchsetzen. Gratulation!

Hier sein Siegertext, mit dem er den Büchergutschein von Pustet gewinnen konnte:


Nico Semsrott: Quallen – Slam Augsburg 17. April 2009 von Slam Augsburg.

Den Augsburger Sonderpreis, eine Schreibmappe von boesner Künstlerbedarf, konnte Lasse Samström gewinnen!

Album mit Videos zum Slam am 17.04.2009Wieder konnte ich einige Auftritte mitfilmen. Im Video Archiv finden sich die Videos von den oben genannten Filmen und zusätzlich dem Auftritt von Peter Knuhr mit „Todesstreifen“.
Der nächste Augsburger Poetry Slam findet am 15.5. statt – zugesagt haben Bumillo (München), Tommy Tesfu (ehem. Augsburg, jetzt Berlin) und Udo Tiffert (Berlin). Mit dabei sind auch die Beachrockerz, die die Slammer spontan musikalisch begleiten werden!

Auch die Augsburger Allgemeine war zu Gast. Hier der Artikel.

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