Slam-Sieg mit in die Luft gebauten Treppen

Berlin, Heidelberg, Marburg – von weither kamen wieder Slammer nach Augsburg gereist, um beim Lauschangriff, dem Augsburger Poetry Slam teilzunehmen. Theresa Hahl kam aus der deutschen Hauptstadt, Bo Wimmer aus der Slam-Hochburg Marburg und Karsten Hohage war aus Heidelberg angereist. Letzterer hatte auch sein brandneues Buch mit im Gepäck: „GRObgeHACKtEs“ (Lektora-Verlag).

Fritz Köcher eröffnete den Abend. Bei seinem dritten Auftritt beim Augsburger Slam las er dieses Mal nicht aus dem „Tagebuch eines Seggels“, sondern die Short Story „Dumm gelaufen“, bei dem er sich ver-heiratet. Ihm folgte Alexander Ratschinskij (er hatte an diesem Abend sein einjähriges Slam-Jubiläum) mit „Der schwarze Witwer – oder: Das lyrische Ich in diesem Text hat nichts mit dem Autor zu tun“. Er hatte sich vorgenommen, bei seiner neuen Freundin immer die Wahrheit zu sagen – das kam dummerweise auch nicht so gut an. Der Kleene (Sebastian Hensel) hatte ein Sammelsurium mit „Strange Situationen“ dabei. Vierter im ersten Block war der Marburger Bo Wimmer: Er las „Die Tür – oder: Alles was kein Grund hat ist eine bodenlose Frechheit!“. Brütend in seinem Arbeitszimmer sitzt ein Mann und versucht seine Steuer zu machen – leider wird er dauernd unterbrochen. Ein Knallertext, den das Publikum ins Finale werteten!

Der zweite Block wurde vom Slam-Neuling Igor eröffnet. Er hatte einen Lasse Samström-Fantext geschrieben, eine Ode an den Augsburger Slammer die sich in unerhörte Höhen schraubte. Karsten Hohage ist generell schon sehr hochgewachsen – und gehört somit zu den wenigen Leuten, zu denen ich aufschauen muss. Der Heidelberger hatte seine Story „Mit 14 war ich schon ca. 2 m groß“ dabei und las von den Problemen eines Langwüchsigen. Albrecht Rau tauchte danach in seine Kaffeetasse ein und versuchte bis an den Grund zu kommen. Schließlich gelang ihm der Heimweg geleitet vom Kaffeelöffel… Theresa Hahl war „In Widersprüchen verstrickt“ – ein sehr schönes, freivorgetragenes Gedicht, das sie ins Finale trug.

Bo Wimmer und Theresa Hahl im Finale – das ist schon ein Hammerding. Beide sind Slammer die immer vorne stehen. Die Spannung war ungemein hoch, wer das Stechen machen werde. Sollte es Bo Wimmer werden, der einen Text zum Tag der Offenen Tür der JVA Landsberg, vortrug? Oder Theresa Hahl, die in der Luft Treppen bauen wollte? Das Publikum entschied sich für letzteres! Die Berlinerin gewann somit den Mai-Slam! Gratulation!

Fotos (unter anderem von Simon Schwager und Thomas Makkos) gibt es im Foto-Archiv.

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