Skandalumwittertes Rudolph Moshammer-Buch in Augsburg erschienen!

Rudolph Moshammer - Der einsame KönigAugsburg ist eine Literaturstadt: unzählige Verlage und Drucker befinden sich in dieser Schwabenmetropole. Und neben den Verlagen gibt es auch viele Autoren und dann auch wieder Literaturagenten die diese Autoren vermarkten, sei es durch Lesungen oder durch Rechteverkauf an Verlage. Einer dieser Literaturagenten ist Arno Löb – und auch er engagiert sich auch für den Autoren Peter Garski. Arno Löb kenne ich schon seit meiner Abiturzeit, in der ich mit Gerald Fiebig und Jürgen Jäcklin ein Literaturmagazin Zeitriss – Blätter zur Sprachbewegung (1991-2001 in Augsburg erschienen) herausgab. Bei dem Versuch dem Literaturagenten eine Werbeschaltung in unserem Magazin zu verkaufen, warb er mich als Mitarbeiter in seinem Verlag und seiner Agentur an. Mein erstes Projekt war das Layout des Augsburger Biergarten-Führers (erschienen 1993 im SoSo-Verlag Augsburg). Viele Projekte (Buchproduktionen und Lesereihen) folgten und aus einer geschäftlichen Beziehung wurde eine Freundschaft. Nun ist im Augsburger a-Crime, in der bis jetzt nur Peter Garski-Romane erschienen sind, ein Rudolph Moshammer-Buch, das schon im Vorfeld für juristische Auseinandersetzungen und beträchtlichen Medienrummel gesorgt hatte: “Rudolph Moshammer. Der einsame König” (ISBN: 3923914725).

HT: Hallo Herr Löb! Wir wollen ja ein Interview zum Moshammer-Buch machen. Claudio Carra ist wohl nicht da?

Arno LöbArno Löb: Der ist gerade in Australien oder in Paris oder in London, jedenfalls hat der viel zu tun und schreibt schon an den nächsten Bestsellern. Claudio Carra ist wirklich das, was man sich unter einem Ghostwriter vorstellt. Er lebt wirklich wie ein Geist – sehr geheimnisvoll und keiner kennt ihn.

HT: Warum sollte Carra nicht auch noch ein weiterer Künstlername von Ihnen sein?

Arno Löb: Ein schöner Name. Wie in Marmor gemeißelt hat ein Journalist geschrieben. Es wäre ja schön, wenn ich dieser Carra wäre, der dieses Moshammer-Buch geschrieben hat, dann würde ich armer Krimi-Autor mir auch mal eine goldene Nase verdienen. Aber lassen Sie uns doch über Rudolph Moshammer reden. Über ihn geht doch dieses Buch. Immerhin hatte ich das Glück, ein Nachwort dafür schreiben zu dürfen. Und da durfte ich voll loslegen, kritisches, satirisches, zynisches, provokatives und amüsantes über das ganze Spektakel in den Medien über Mosi und das Leben nach dem Abgang eines Medien-Helden von der Showbühne.

HT: Sie haben ja Mooshammer gekannt – in dem Buch ist die Szene erwähnt, wo Sie zusammen mit ihm nach der Premiere des Roy-Black_Musicals, dessen Libretto Sie verantworteten, durch den Wittelsbacher Park spazierten und sich unterhielten. Warum schreiben Sie dann als “Garski” und nicht als “Löb” das Nachwort?

Arno Löb: Ja, der Spaziergang: Zusammen mit dem legendären Augsburger DJ Rudi Schäble, der jetzt bestimmt mit Rudi Moshammer vor der himmlischen Garderobe steht, wo sie gemeinsam rätseln was sie heute für ihren Ausflug in die himmlische Bücherei auf Wolke 9 anziehen, wo sie wahrscheinlich meinen Krimis lesen, konnte ich mich damals mit Mosi unterhalten- vor allem über die Show-Branche. Mosi schien damals schon vor einem Abgrund zu stehen und schien Angst vor seiner Zukunft zu haben. Er hat damals von einem gigantischen Gastro-Projekt geträumt. Wir haben uns auch über Roy Black unterhalten, dessen Vater genauso wie der von Moshammer Selbstmord begangen hatte.

HT: Nochmal: All das spricht doch dafür, dass Sie als „Löb“ hätten unterschreiben können?

Arno Löb als Peter GarskiArno Löb: Nein. Ich bin eben als „Peter Garski“ ein Autor. Wenn ich in die Rolle des “Peter Garski” springe, fließen meine Finger kreativer über die Tastatur. In der Rolle als “Arno Löb” bin ich mehr der umtriebige Kultur-Manager, der sich wundert, wie Augsburg die Millionen in einen floppenden Friedens-Event steckt und weitere Millionen in einen abgestürzten Flughafen, statt in eine tolle Bücherei.

HT: Was fasziniert Sie am Mooshammer? Mir hat der eigentlich immer nur leid getan. Ist das nicht ein irgendwie aufgeblasener Pressewitz gewesen – und womöglich einfach eine sehr unwichtige Person der Zeitgeschichte?

Arno Löb: Der musste Ihnen nicht leid tun. Moshammer hat sich gezielt zur Medien-Figur aufgebaut. Das war seine Erfüllung, der Sinn seines Lebens. Er opferte sich den Medien als Nachrichten-Futter und wurde dafür mit Aufmerksamkeit belohnt. Das war ja auch nicht schlecht für sein Geschäft. Interessant ist ja sein Lebensweg vom Knaben, der in München zwischen 1940 und 1945 die Bombardierungen erlebte, dann als Jugendlicher von Oscar Wilde schwärmte und nach Paris ging, wo er seine erste große Liebe erlebte, dann in München mit Hilfe von reichen Freunden seinen Modeladen eröffnete, im Nachtleben, in der homoerotischen Szene an der weißblauen Isar Leute wie R. W. Fassbinder, Freddy Mercury und Rex Gildo traf, die sein Leben beeinflussten. Das Buch von Claudio Carra ist auch ein Sittengemälde des deutschen Wirtschaftswunders.

HT: Es gab ja schon im Vorfeld zum Buch einiges juristisches Gerangel. Was ist da passiert?

Peter Garski vor der Augsburger JVAArno Löb: Claudio Carra ging einigen verdächtigen Spuren im Falle Moshammer nach, der ja im Januar 2005 ermordet in Grünwald aufgefunden worden war. Carra ist von der Mord-Theorie der Münchner Kripo nicht hundertprozentig überzeugt. Er präsentiert in dem Buch auch einige andere Mord-Theorien, die nicht unbedingt reine Phantasie sein müssen. Dabei gab es zwei verdächtige Spuren von München nach Augsburg. Der angebliche Mörder, der jetzt in U-Haft sitzt, soll damals in Augsburg gelebt haben. Die andere Spur: In Augsburg wohnt auch ein Mosi-Double. Dieses wurde von Moshammer per Rechtsanwalt aufgefordert, doch mal zu sagen, was er denn so als Mosi-Double abkassiere. Ob er wirklich davon einiges an Bedürftige, so wie Moshammer das machte, spendiere? Das war Anlass für Ärger. Carra ging dieser Spur nach. Ein bisschen absurd wäre es schon gewesen, wenn ein Mosi-Double der Mörder gewesen wäre. Unglaubhaft irrwitzig. Aber gab es nicht schon merkwürdigere Mordfälle? Man denke an den an seine Hunde verfütterten Bauern, dessen Leiche verschwunden ist. Dieses Double, ging per Rechsanwalt gegen den Verleger Dieter Auer vor. Einige Fragen, die Carra zu den Spuren zum Augsburger Moshammer-Double als Ankündigung zu seinem Buch auf der Internet-Seite www.moshammer.buch.page.ms gestellt hatte, hätten seinen Ruf geschädigt. Auer nahm das wieder aus der Ankündigung heraus, nachdem Carra ihm mitteilte, dass die Recherche der verdächtigen Augsburger Spuren einfach zu zeitaufwendig seien.

HT: Wer sollte das Buch lesen? Warum?

Arno Löb: Es ist kein Klatsch-Buch. Es sind interessante Geschichten über das Leben eines sensiblen homosexuellen Künstlers, der auch kulturell mehr gebildet ist, als viele annehmen. Ein tapferes Schneiderlein, das merkt, dass er mit Vitamin B und den richtigen erotischen Kontakten besser nach oben kommt, als nur mit Ideen und Leistung. In diesem Buch wird eine Kindheit beschrieben die von Nazis, GIs, Leben auf dem Bauernhof, schwarz Schlachten, improvisiertes Kinder-Theater mit Kartoffeln, einer schummelnden Heiligen in Konnersreuth, von Kaviar-Orgien, von einer blutrünstigen Gräfin und von einer schwarzen Messe in der Gruft des Märchenkönigs Ludwig II. von Bayern. Mosi war ein Phänomen, dem dieses Buch von Claudio Carra mit Fakten, aber auch mit wahrheitssuchender Phantasie sehr nahe kommt, fast schon ins Herz schaut. Dieses Buch gehört nicht in jedes Regal, sondern auf jeden Nachttisch. Es könnte beim Lesen immerhin für wilde Gefühle und eine schlaflose Nacht sorgen. Ich kann ja ruhig verraten, dass in diesem Buch von Carra nicht nur homoerotische Sexspiele vorkommen, nein, Mosi muss sich auch entsetzt eine stinknormale Porno-Produktion in Dresden, nach dem Fall der Mauer, durch einen dubiosen Kontakt mit Dolly Buster, bis zu seiner Flucht anschauen. Diese Stelle ist übrigens meine Lieblings-Stelle in dem Buch.

HT: Ich bedanke mich für das Gespräch!

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  2. Kommentar zu Skandalumwittertes Rudolph Moshammer-Buch in Augsburg erschienen! von e-Thieme » Blog Archive » Die Moshammer Chronik von Peter Garski

    […] Wie schon im Blog-Eintrag “Skandalumwittertes Rudolph Moshammer-Buch in Augsburg erschienen!” hat Augsburg Beziehungen zu dem extrovertierten Modezaren. Jetzt schreibt Peter Garski an einem Moshammer-Blog. Der Augsburger Krimiautor hatte auch das Nachwort zu dem Buch “Rudolph Moshammer: Der einsame König” geschrieben. Inhalt des Blogs: Alle interessanten Ereignisse nach dem Tod des Münchner Mode-Schöpfers und dem aktuell laufenden Prozess. […]

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