Rückblick auf den letzten Augsburger Poetry Slam „Lauschangriff“

Falk DietrichEin klasse Abend mit lyrischen, spannenden und lustigen Texten fand am Freitag, 24.3. in der Augsburger Kresslesmühle statt: der Lauschangriff. Und es war eindeutig der Start in den literarischen Frühling – auch wenn zu diesem Zeitpunkt (man will’s jetzt schon nicht mehr glauben) noch immer in manchen Straßen unmotiviert ein Haufen Schnee rumlag. Neben vielen neuen und jungen Autoren kam dieses Mal auch ein Berliner Autor vorbei: Falk Dietrich. Seine – um die Presse zu zitieren – mit “eindringlicher Bollerigkeit” (Tip 13/05) vorgetragenen Texte sind fast so verrückt wie das Leben selbst und dabei die reinste Lachtherapie. Oder mit den Worten der Nordseezeitung (16.05.05): “Haltung ist egal. Hauptsache die Pointen in der Geschichte sitzen.” Und der Slam bot noch einiges mehr!

In unserer Augsburger “Poeten-Schlacht” treten ja immer acht Autorinnen und Autoren mit ihren selbst geschriebenen Texten gegeneinander an. Bewaffnet alleine mit einem Mikrofon und vielleicht noch einem kleinen Merkzettel. Weitere Hilfsmittel oder Requisiten sind auf der Bühne nicht erlaubt – und jede/r hat nur 10 Minuten Zeit bevor der unerbittliche Gong ertönt.

Gruppenfoto mit allen AutorInnen

Den Start machte an diesem Tag Alex Härning, der zuvor noch nie auf einer Slam-Bühne gestanden hatte. Seine Lyrik (”Atme / Dein eigenes Leben”) zog das Publikum sofort in seinen Bann. Nummer zwei: Tommy Tesfu mit seinem Text “Schwarz, Rot – kein Gold”. Sein Text über “maximalpigmentierte” Menschen war eine bittere Anklage gegen Rassismus in Deutschland (der ja fast schon wieder fast ein Menschenleben in Potsdam gekostet hat – siehe auch der Spiegel Online). Tesfu ist im Projekt Schreib- und Performance-Workshops für Schüler des Bertolt Brecht Festivals ABC – AugsburgBrechtConnected dabei – und absolut schon bühnenfest. Klasse! Der schon weiter oben erwähnte Falk Dietrich aus Berlin machte den dritten Mann in dieser Runde und brachte das Publikum mit “Wo ich maaa / ein Werwolf waaa” und “Ich und China – Ein Missverständnis (Romanausschnitt, 24. Kapitel)” zum Lachen. Letzter in der Reihe: Wolfhard Sitter, der mit freivorgetragener Lyrik (darunter den Kampf gegen sich selber, den jeder Boxer kennt: „Schattenkönig“) glänzte. Falk Dietrich wurde vom Publikum ins Finale geklatscht.

Anna EhrenreichZweite Runde nach einer kurzen Pause! Anna Ehrenreich – neu auf der Slam-Bühne – stellte Lyrik vor, neben Trennungsschmerz (”Wir Zwei beschreiben Stille”) und verabscheuenswürdigem Stalker-tum (”Männerwahn / wenn sie wie die Ratten beschatten”) auch Liebeslyrik. Gleich der nächste! Michael Friedrichs präsentierte Schwanensex, oder eventuell besser formuliert: eine aktuelle und äußerst geistreiche Fassung der “Leda und Zeus”-Thematik. Mit “Die Spülmaschine” brachte Cornelia Koepsell wieder den Alltag in den Abend… Eine Spülmaschine belebt das fast schon eingeschlafene Liebesleben eines Paares.
Björn MehrholzLast but not least: Björn Mehrholz, der sofort sich mit seinem ersten Slam-Auftritt in die Herzen des Publikums Eingang fand und auch ins Finale gewählt wurde. Gratulation!

Im Finale dann Dietrich gegen Mehrholz – und auch hier konnte Mehrholz (jetzt mit einem Text namens “Die Sonntagsgestrandete” über das Chillen im Café) punkten. Somit ist Björn Mehrholz der Sieger des Augsburger Slams im März 2006!

Der nächste Augsburger Poetry Slam Lauschangriff findet am Freitag, den 28.4. wieder in der Kresslesmühle statt.

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  2. Kommentar zu Rückblick auf den letzten Augsburger Poetry Slam “Lauschangriff” von e-Thieme » Blog Archive » Poetry-Städtebattle zwischen Augsburg, Tübingen und Ulm

    […] Hier nun die lange Version – und sie ist es wert, erzählt zu werden. Es war ein schöner Abend, ein schöner Slam. Und begann schön mit einer schöne Einrichtung in Tübingen – das sogenannte Schlachtlamm, ein Autor, der unabhängig vom Poetry Contest antritt um das Publikum auf den Abend vorzubereiten und es einzuschwören. An diesem Abend waren es sogar zwei, die für das Anheizen sorgen durften – einer zum Start (Phillip Scharrenberg) und einer nach vor dem heißen Finale (Falk Dietrich – zuletzt im März 2006 beim Augsburger Slam). […]

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