Roy Black and the Cannons: The last Rock’n’Roll Show

Ich muss 18 Jahre alt gewesen sein, da haben mir die Eltern meiner damaligen Freundin die Geschichte erzählt, wie sie sich früher als noch minderjähriges Paar rausgeschlichen haben, um zum Augsburger Siedlerhof rauszufahren, um sich dort eine junge Rock’n’Roll-Band anzusehen: „Roy Black and the Cannons“. Für mich damals unvorstellbar, dass Roy Black so etwas wie cool gewesen sein könnte – verbindet man heute mit dem Sänger ausschließlich Schnulzen.

Fast genauso alt wie diese Geschichte ist meine Freundschaft mit Matthias Cromm, der tatsächlich diese Woche den Gegenbeweis angetreten hat. Schon als Jungpunk hat er Roy Black bewundert. In den letzten Wochen hat er – heute als DJ und Label-Betreiber in Freiburg lebend – an der Veröffentlichung des bislang unveröffentlichten Live-Mitschnitts des letzten Live-Konzerts der „Roy Black and the Cannons“ gearbeitet.


Matthias Cromm bei der Recherche

Roy Black – Schnulzensänger?
Auch wenn es den meisten nicht bekannt ist: Roy Black startete als Rock’n’Roller! Eigentlich hieß er ja Gerhard Höllerich und wurde 1943 in Straßburg bei Augsburg geboren. Am 14. September 1963 gründen Sänger Blacky (wegen seinen schwarzen Haaren so genannt), Gitarrist und Bandleader Helmut Exenberger, Drummer Dieter Sirch, Gitarrist Dieter Schwedes und sein Neffe Peter Schwedes am Bass die „The Cannons“ mit einem erklärten Ziel: Sie wollen eine ganz neue Musik nach Augsburg bringen. Pianist Günther Ortmann wird kurz danach entdeckt und sofort rekrutiert. Er sollte auch – so die Legende – den Bandnamen erfunden haben. Als Beatles-Fan meinte er: “Die Beatles schlagen ein wie Kanonen”, und das wollten sie natürlich auch.

Dank der guten Stimme von Roy Black, der unbändigen Energie der Band, dem exzellenten Solo- Gitarren-Spiel von Helmut Exenberger und vor allem dessen Geschick für Arrangements avancieren „Roy Black and the Cannons“ schnell zu Publikumslieblingen. Auftritte im Augsburger Moritzsaal wurden von der hiesigen Presse entsetzt festgehalten: Der Kammerkonzerte und gepflegten Jazz gewöhnte Kulturreporter der Augsburger Allgemeinen konnte sein Grauen über die Affenmusik kaum in Worte fassen, denn derartiges hatte es in Augsburg noch nicht gegeben. Das Bayerische Fernsehen war dagegen begeistert und sprach von Augsburg als Liverpool Bayerns.


Recherche mit Günter Ortmann

Polydor wurde schnell auf die Band aufmerksam, besonders aber auf den ausdrucksstarken Sänger der Band. September 1964 unterschreibt Roy Black einen Plattenvertrag, getrennt von der Band. Schon seine dritte Single wird ohne „The Cannons“ eingespielt. Er hieß „Du bist nicht allein“ und war ein Top Ten Hit. Auch wenn Roy Black später immer wieder seine alte Band mit auf die Bühne nahm, die gemeinsame Zeit ist für immer vorbei.

Die Aufnamen vom 26.Dezember 1964
Am 26. Dezember 1964 geben sie ihre letzte Rock’n’Roll Show in der Augsburger Sheridan-Kaserne. Und just zu diesem Weihnachten hat Günther Ortmann ein Grundig TK23 Tonbandgerät mit einem kleinen Mikophon erhalten. Damit zeichnet er das Konzert auf.

Die Aufnahmen die Günther Ortmann mit seinem Koffertonbandgerät am 26. Dezember 1964 gemacht hat, gerieten in Vergessenheit. Sie schlummerten Jahrzehnte lang auf seinem Augsburger Dachboden, wo er sie vor einiger Zeit wiederentdeckte. Die sechs Songs die sich noch überspielen und restaurieren ließen, gibt es jetzt endlich zu hören. Das Material lässt nachvollziehen wie „Roy Black and the Cannons“ die Augsburger „Subkultur“ der frühen 60er Jahre mitgeprägt haben.

Roy Black and the Cannons: „The last Rock’n’Roll Show“ ist unter anderem online bei Flight 13 sowohl als CD als auch EP erhältlich und ist bei Cargo Records erschienen. Ein Muss für Rock’n’Roller.

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