Popbeauftragter Alaska Winter?

Alaska WinterDie Diskussion um einen Augsburger Popbeauftragten heizt sich auf. Die Stelle, die die CSU im Wahlkampf gefordert hatte soll, soll ab dem 1. September besetzt werden und im Kulturbüro angesiedelt werden. Als gesetzt galt Rich Goerlich (Weißes Lamm, Schwarzes Schaf, Paradiesgarten) von der Popkommission, die von der CSU zu Wahlkampfzwecken gegründet wurde. Das provozierte viele Bands und Veranstalter im Raum Augsburg, da sie Benachteiligung befürchteten. Nun schmeißt Alaska Winter (Echolotstudio) seinen Hut in den Ring. Folgend die, zugegebenerweise formal ungewöhnliche, jedoch äußert charmante Bewerbung des Produzent von zum Beispiel Anajo aber auch Lydia Daher.

Alaska Winter:
Bewerbung um die Stelle des Popkulturbeauftragten der Stadt Augsburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit bewerbe ich mich um die von Ihnen geplante Stelle des Popkulturbeauftragten
der Stadt Augsburg.

Meine Bewerbung ist in ihrer Form – das gebe ich gerne zu – etwas ungewöhnlich, denn sie ist an ein von mir entwickeltes, alternatives Konzept gekoppelt, das ich im folgenden vorstellen möchte.

Doch zunächst ein paar Worte zu meiner Person

Ich glaube sagen zu können, dass ich mich in den letzten 20 Jahren um den Ruf Augsburgs als Popkulturstandort durchaus verdient gemacht habe. In meiner Arbeit als Popmusiker, Produzent und Manager habe ich mich dabei stets auf die Stadt berufen, in der ich lebe und arbeite.

Künstlern wie Anajo oder Lydia Daher, die heute als Augsburgs Aushängeschilder in der deutschen Popszene gelten, verhalf ich durch meine kontinuierliche Aufbauarbeit zum bundesweiten Durchbruch. Durch die Etablierung der Echolotstudios war es mir möglich der jungen Musikszene in Augsburg wichtige Impulse zu geben, u. a. auch durch meiner jahrelange Unterstützung des “Band des Jahres”-Wettbewerbs.

Darüber hinaus dürfte meine Arbeit für den Stadtjugendring als Berater und Programmgestalter der beiden ersten X-Large-Festivals in der Augsburger Innenstadt allgemein in guter Erinnerung geblieben sein.

Aufgrund meiner erfolgreichen Arbeit genieße ich großen Respekt und viel Vertrauen innerhalb der Augsburger Popkulturszene, mit der ich sehr verwachsen bin und die ich kenne wie kaum ein anderer.

Zu meiner Glaubwürdigkeit trägt sicher nicht zuletzt meine Unabhängigkeit von Parteien und anderen Interessenverbänden bei.

Kurz gesagt: durch meine langjährigen lokalen und nationalen Kontakte zu Medien, Labels, Verlagen, Agenturen, Veranstaltern, Kultur-Stiftungen etc. fühle ich mich den vom Kulturreferenten formulierten “Aufgaben des Popkulturbeauftragten” sowohl im Bereich “Breitenförderung” als auch im Bereich “Spitzenförderung” in vollem Umfang gewachsen.

Hintergrund und momentane Problematik

Die Planung der Stelle eines Popkulturbeauftragten ist absolut zu begrüßen.
Ein ernst zu nehmendes Problem dabei ist jedoch: weite Kreise der lokalen Populärkultur wünschen sich zwar sehnlichst einen Popkulturbeauftragten, sind aber mit dem derzeit bekannten Konzept bzgl. dieser Stelle nicht glücklich, wie die öffentliche Diskussion deutlich zeigt.

Diese Unzufriedenheit ist für mich sehr gut nachvollziehbar, denn ich bin nicht der Meinung, dass hier die Schaffung einer Vollzeitstelle sinnvoll ist, zumal in Augsburg bereits relativ viele funktionierende Strukturen im Bereich Pop vorhanden sind (Stadtjugendring, Kulturpark West, Kuki, Popkommission, Leopold-Mozart-Zentrum, diverse ambitionierte Veranstalter etc.). Ich betrachte es daher als eine Kernaufgabe des Popkulturbeauftragten, diese wertvollen Strukturen besser zu vernetzen und auszubauen. Mit anderen Worten: es geht hier weniger um die kostenintensive Schaffung neuer, sondern viel mehr um die effektivere Nutzung der bereits bestehenden Strukturen.

Sicher, die sinnvolle Förderung der Kulturszene (auch im Bereich Populärkultur!) ist ebenfalls eine sehr wichtige und überfällige Aufgabe des Kulturbeauftragten. Doch es stellt sich die Frage, welche Förderung bei den Künstlern noch ankommen soll, wenn allein die Stelle eines Popkulturbeauftragten schon eine solche Summe (58700,- €, siehe AZ vom 12.7.) verschlingt.

Es wäre doch sinnvoller, wenn die Stadt zumindest einen Teil des für den Popkulturbeauftragten eingeplanten Geldes direkt in die lokale Populärkultur fließen lassen würde anstatt in die Stelle an sich.

Zudem fehlt einem so teuren Popkulturbeauftragten schlichtweg die Glaubwürdigkeit innerhalb der Szene und somit auch sein wichtigster Hebel. Ohne Glaubwürdigkeit wird es schwer für den Popkulturbeauftragten, die bereits vorhandenen Strukturen nicht nur an einen Tisch zu bringen, sondern auch verantwortungsvoll mit ins Boot zu nehmen, um gemeinsam die lokale Populär-kultur nach vorne zu bringen. Nur dann wird finanzielle Förderung auch nachhaltig greifen.

Deshalb mein konkreter Vorschlag

Meiner Meinung nach sollte man die Stelle bei ca. der Hälfte der von Ihnen veranschlagten Kosten ansetzen. Darüber hinaus würde ich, sofern ich die Stelle bekäme, zusätzlich eine Lehrstelle schaffen und zu meiner persönlichen Unterstützung einen Auszubildenden einstellen.
Man beachte jedoch: das alles geschieht innerhalb (!) dieses deutlich verringerten Gesamtbudgets.

Ich habe bereits zwischen 2004 und 2006 eine Kauffrau für Audiovisuelle Medien ausgebildet und damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die ehemalige Auszubildende arbeitet heute in ihrem Wunschberuf bei einem renommierten Musikverlag in Berlin.

Meine Arbeit könnte als eine Art “Teilzeitstelle auf Honorarbasis” bzw. über einen Werksvertrag vergütet werden. Das würde für die Stadt Augsburg weitere Arbeitgeberkosten einsparen, die somit ebenfalls in die eigentliche Popkulturförderung fließen könnten.

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen und stehe für Nachfragen selbstverständlich zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Alaska Winter

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