Poetry Slam ist das, was sich Eure Kinder zu Weihnachten wünschen

Fetter Slam in der kalten Jahreszeit: vor ausverkauftem Haus und mit klasse Texten konnten die Slammer wieder dem Publikum einheizen! Doch nicht nur Worte gab es beim letzten Lauschangriff in 2010 zu hören. Sarah Hakenberg hatte Lieder als Rahmenprogramm zum Slam mitgebracht. Sie eröffnete den Abend mit „April, April – ich hab Dich reingelegt!“, was die Frau zu ihrem Liebhaber sagt und bald darauf auch schwanger ist. Urkomisch und wie immer mit einer doch sehr nachdenklichen  Pointe versehen.

Erster Block –
und erster Text: Als ein im „Bürowahn getränkter Freidenker“, als „ge-straight-edge-ter Junky“ ist Alex Ratschinskij „ein Suchender nach dem richtigen Wort“ – klasse Lyrik, spitzen Performance! Viel ruhiger war die zweite Autorin, die einen Auszug aus ihrem Romanprojekt vorstellte. Cornelia Kopesell schilderte eindrucksvoll die ersten Stunden im Gefängnis einer jungen Frau. Von ihrer Verzweiflung und einem verstopften Klo. Von dem ständigen Eingriff in die Privatsphäre. Bedrückend und seh ehrlich. Thomas Laschyk schreibt gerade seine Facharbeit in der Schule über Goethes „Faust“. Und jetzt kann er es nicht mehr lassen und muss diesen einfach neu fassen. Und so machte er sich an diesem Abend einen neuen Reim auf Gretchen. Zum ersten mal auf der Bühne: Simon Lewin Baumer. Zunächst stellte er sich vor: „Ich bin das, was Eure Kinder zu Weihnachten wünschen“ und „wie der Hund der Beißt und nicht bellt“, ja sogar „Ursache und Wirkung von Krieg und Frieden“ und „wie Mathe: Ihr checkt mich einfach nicht“!

Folgend sein Auftritt:

Klasse Auftritt – und vom Publikum verdient ins Finale geklatscht!

Zweiter Block
Nach der Pause durfte zunächst wieder Sarah Hakenberg ans Piano: das süßlich angelegte Kinderlied „Bombenbauer“ ließ einem das Lachen im Halse stecken. Bittersüßböse; Sarah halt. Als erster Slammer kam dann Albrecht Rau auf die Bühne: „Wir bitten um Ihr Verständnis!“ Alle werden ständig vertröstet. Ständig werden Grenzen überschritten. Und jedesmal heißt es wieder: „Wir bitten um Ihr Verständnis!“ Sogar der Sensenmann kommt nicht umhin, diese nichtsbedeutende Formel zu sagen – schließlich bangt er um seinen Job. „Schule – Das ist Krieg!“ rief Andreas Waltinger dem Publikum entgegen. Und zwar gegen die Lehrer. Als Pädagoge kann man ja große Kreise um die Giftdämpfe des Chemielabors machen, um die Nerds der Informatik-AGs und auch die Rambos aus den freiwilligen Sportkursen kann man aus dem Weg gehen. Aber der Theater-AK ist wirklich Hölle – denn da kommen sie alle zusammen! Da hilft nur noch die Flucht ins Lehrerklo!

Einen ganz anderen Plan hatte da Max Kennel. Der Bamberger wünscht sich nämlich endlich alt zu sein. Man müsste nicht mehr Zähne putzen, man könnte sie einfach ins Glas stellen. Er könnte jeden Tag blau sein. Und weil er sowieso viel lieber alleine ist, wäre es nicht schlimm, dass alle seine Freunde schon das Zeitliche gesegnet hätte. Eine grausigböse Vorstellung! Melanie Schöning beendete die zweite Runde mit „Glück Bindestrich Ausrufezeichen Fragezeichen“. Das Glück, das ist nicht rund. Das ist eckig. Eckig wie eine Schokoladentafel von Ritter Sport. Das Publikum schickte Max Kennel ins Finale.

Das Finale der Junioren
Simon Lewin Baumer, zum ersten Mal auf einer Slam-Bühne überhaupt, und Max Kennel, ebenso ein junger Slammer bei einem seiner ersten Auftritte: Klasse – soviel frisches Talent auf der Bühne! Beide hatten für die Endentscheidung Texte über das Essen vorbereitet. Simon las „Fastfood (deutsch: Fast essen)“ vor, Max über die Schule und die dortige Ernährung („Trinkschokolade und Butterbrot“).

Die Publikumsjury mit Appetit nach mehr entschied sich abermals für einen Doppelsieg! Gratulation für die beiden U20-Slammer!

Alle Fotos wurden von Simon Schwager geschossen. Vielen Dank!

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