InThiemes: Sawasdee krap, Augsburg! – Griaß di, Bangkok!

Sawasdee krap, Augsburg!Zuerst wollten Ölscheichs die Augsburger Messe kaufen. Haben sie aber dummerweise nicht. Dann sollten riesige Umsätze in China erwirtschaftet werden. War aber irgendwie nix. Dann sollte eigentlich die Wirtschaft gefördert werden und sich diese in Augsburg wohl fühlen. Ist aber laut einem kürzlich veröffentlichten Städteranking in die Hose gegangen. Dann wurden Festivals an der Messe organisiert. Wenige Besucher kamen, darunter kein einziger Ölscheich. Und nun hat Augsburg ein Büro in Bangkok, um die Augsburger Wirtschaft voranzubringen. Warum sollte der Augsburg AG plötzlich etwas gelingen?

Weil – dieses Mal soll auf märchenhafteste Weise alles anders sein. Dabei helfen werden Bhamsawali und Soamsawali. Das sind keine drolligen Hauptdarstelller der Puppenkiste, sondern echte Prinzessinnen aus Thailand. Und ein echter deutscher Prinz, der Luitpold von Bayern, ist auch mit dabei. Und Leypoldt – das ist der König, äh Chef der Augsburg AG. Denn der ist mit einer Thailänderin verheiratet und ihm werden gute Kontakte in dem Heimatland seiner Frau nachgesagt. Die Leypoldt nutzen will, um die Wirtschaft anzukurbeln. In Augsburg. Mit einem Büro in Bangkok. So, so.

Wirtschaftsförderung privatisiert und in eineAktiengesellschaft namens Augsburg AG umgewandelt. Das fanden alle Parteien damals so gut, dass sogar die Opposition zustimmte und voll des Lobes war. Die AG-Form wurde gewählt, um so richtig flexibel zu sein. Die Stadt wurde dafür ausdrücklich von diversen Lobbyisten in Wirtschaft und Politik gelobt. Nun kann also die Augsburg AG unabhängig handeln (zum Beispiel die Werbeflächen in Augsburg verpachten). Der Nachteil ist, dass die politisch Verantwortlichen im Stadtrat die Augsburg AG nicht mehr richtig kontrollieren können. Dafür wurden Treuhandverträge ausgehandelt, die dem Stadtrat vorsichtshalber zuerst auch gar nicht vorlagen. Die wurden nämlich direkt zwischen der AG und dem OB-Referat ausgehandelt. Verständlich, dass es jetzt ein halbes Jahr vor den Stadtratswahlen natürlich plötzlich hoch hergeht.

Gott sei Dank haben die Parteien wenigstens klare Aussagen getroffen, wie sie zur Augsburg AG stehen. So hält OB Wengert (SPD) in Nibelungentreue zu seinem ehemaligen Wahlkampfmanager Leypoldt. Sein Herausforderer Gribl (noch nicht CSU, aber eventuell ganz bestimmt, wenn er vielleicht gewählt werden wird) will die Macht beschränken. Der Fraktionschef der SPD Karl-Heinz Schneider dagegen will die Augsburg AG zur GmbH degradieren, während der JU-Chef Volker Ullrich die Kompetenzen der AG weiter ausbauen möchte. Die SPD-Fraktion würde das Thema am liebsten komplett aus dem Wahlkampf heraushalten. Und der Vorsitzende des CSU-Kreisverbands West, Tobias Schley? Der arbeitet seit September bei der Augsburg AG als Vertriebsbeauftragter. Alles klar?

Keine Sorge. Selbst die anderen Politprofis in Augsburg wissen nicht genau, wohin der Weg führt. Pro Augsburg ist es wohl egal, Hauptsache deren OB-Kandidat Grab wird Kulturreferent. Vielleicht bekommt aber Leypoldt auch noch eine Pro-Augsburg- Ehrenurkunde, das pokert dann der Neubürger Seinsch aus. FBU, FDP und Freie Wähler sind mit gegenseitigen Fraktionswechseln beschäftigt und werden sich erst dann für die Augsburg AG interessieren, wenn es dort Ausschussplätze zum Verteilen gibt. Und die Grünen schweigen in echter Koalitionstreue zum Bürgermeister oder zur SPD – oder zu den anderen. Man weiß es nicht.

Das Beste, was man derzeit über die Augsburg AG sagen kann, ist, dass sie nicht am Königsplatz-Umbau-Schlamassel beteiligt ist. Obwohl alles dafür sprechen würde: ungeklärte Finanzen, undurchsichtige Konzepte, widersprüchliche Aussagen von Experten und alle Parteien furchtbar zerstritten. Sawasdee krap, Augsburg!

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der Oktober-Ausgabe des aGuide Augsburg. Dort gibt es auch noch andere tolle Artikel, Informationen und Preisausschreiben…

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