InThiemes: Preiswertes Augsburg

ProAugsburger des MonatsSind Sie ein engagierter Augsburger? Sind Sie aktiv im Verein oder in einer Bürgervereinigung? Dann sind Sie eventuell schon ausgezeichnet worden dieses Jahr? Ich meine, Sie haben doch hoffentlich schon eine Urkunde, einen Pokal oder ein Bierfass überreicht bekommen? Nein? Keine Sorge – es ist ja erst Juli. Und bis zur Augsburger Stadtratswahl im März ist es noch lange hin. Wird schon werden, wirklich. Warum ich mir so verdammt sicher bin? Weil Preiswahn herrscht in Augsburg.

Die neu gegründete Partei Pro Augsburg verleiht jetzt monatlich den »Pro Augsburger des Monats«. Als Erste wurden im April die Unterstützer des Textilmuseums ausgezeichnet. Und erst im Mai waren es die Organisatoren des Bahnparks. Schade für die Ausgezeichneten – denn sie hätten einen echten Preis verdient. Stattdessen wurden sie verschaukelt. Wie oft, wenn Peter Grab seine Hände im Spiel hat, geht es um Marketing und weniger um Inhalte. Er sucht die Nähe von Machern und von Initiativen, die etwas für Augsburg getan haben. Nicht, um diese zu fördern. Denn das könnte man wirkungsvoller im Stillen, ohne sich selber in den Mittelpunkt zu stellen. Sondern um den Eindruck zu erwecken, Pro Augsburg wäre eine selbstlose Bürgervereinigung, ja sie hätte womöglich selber Bahnpark, tim & Co. erstritten. In Wahrheit haben sie versucht, mit der FDP zusammen ins Rathaus einzuziehen und sind gescheitert.

Dieser Preis ist preiswert – und das liegt nicht alleine an dem von einer Brauerei gestifteten Bierfass, das mit dem Preis überreicht wird. So eine Auszeichnung kostet nichts, zieht aber Aufmerksamkeit nach sich. Natürlich für die Preisträger – aber noch mehr für Pro Augsburg. Was soll der Preis für die Ausgezeichneten? Wird er strukturell etwas verändern? Will er den Bürgerinitiativen irgendwie bei ihrem Anliegen helfen? Wohl nicht – es geht um eine Presseerklärung und ein schickes Foto. Traurig: Der Preis ist nicht nur preiswert, er ist billig, von minderer Qualität.

Die Leier von Peter Grab als Manager der Einzelhändlervereinigung City Initiative Augsburg (CIA) war immer die gleiche: “Bist du für oder gegen Augsburg?” Dank Copy-&-paste ist das jetzt auch sein Slogan als Bürgermeisterkandidat der Pro-Augsburg-Parteigänger geworden: »Bist du pro oder contra Augsburg?« Als würde sich die Frage gar nicht stellen, wie man sich denn ein lebensfrohes Augsburg vorstellen könnte. Nie wurde über Inhalte, immer aber über Verpackung geredet.

Doch der CIA-Hintergrund des Kandidaten könnte sich noch als Bumerang erweisen. Insider munkeln schon länger über den schnellen und kalten Abschied von der CIA. Selbst die Süddeutsche Zeitung kommentierte in ihrem Bayernteil diese Möglichkeit und unkt, das Grab nun die Vergangenheit einholen könnte. Doch er steht nicht alleine da: Eine ganz andere »Verschleyerung« der Vergangenheit hat der Bürgermeisterkandidat der CSU zu bekämpfen. Kurt Gribl hatte erst Mitte Juni stark auf den Tisch hauen müssen, um der CSU mehr Ordnung beizufügen. Richtig so! Hätte das auch nur Tobias Schley gemacht. Also das mit auf den Tisch hauen – und nicht gleich die Bedienung mit dazu. Ein Machtwort wird jetzt von Gribl erwartet – und das ausgerechnet gegen Bernd Kränzles Ziehsohn Schley. Jetzt wird die Wiederholung der Abstimmung noch spannender, wer auf die CSU-Liste für die Stadtratswahl kommen soll (Schley ist derzeit auf Platz 6). Diese wurde notwendig, nachdem zwei der CSU-Frauen wegen ihrer schlechten Listenplätze frustriert das Handtuch geworfen hatten. Die CSU scheint auf einen Wahlkampf noch nicht vorbereitet zu sein.

Doch wie kann Gribl als parteiloser Kandidat die CSU bändigen? Wenn er das schaffen sollte, dann hat er einen Preis verdient. Vielleicht meldet sich dann Pro Augsburg bei ihm.

Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der Juni-Ausgabe des aGuide Augsburg. Dort gibt es auch noch andere tolle Artikel, Informationen und Preisausschreiben…

  1. Kommentar zu InThiemes: Preiswertes Augsburg von slogger27

    Wie kommentierte die SZ gestern (21.6.07) doch so schön: “Ehe Grab, dessen Netzwerk weit in die Lokalzeitung hineinreicht, bei Pro Augsburg anheuerte, versuchte er bei der CSU unterzukommen. Grab bot der Partei an, ihren Kommunalwahlkampf zu managen. Als Gegenleistung verlangte er allerdings, dass ihm die CSU nach der Wahl das gut dotierte Amt des städtischen Kulturreferenten zuschanzen müsse. Das so dreist vorgetragene Versorgungsdenken war selbst den Verantwortlichen in der CSU nicht geheuer, sie lehnten ab.”

    Grab ist ein Selbstdarsteller, es geht ihm ausschlisslich nur um ihn selbst. Seine Arbeit als CIA Manager war inhaltslos und für Augsburg schlecht. Statt Augsburg zu verschönern, spaltete er schon damals nur die Stadtgesellschaft. Jetzt macht er weiter als ProAugsburger. Hoffentlich fallen nicht zu viele auf ihn herein!

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