Hundert Poetry Slams sind nicht genug!

Hundert Poetry Slams in Augsburg
Im Oktober 1998 startete der Lauschangriff und hat sich in den mehr als 9 Jahren den eindeutigen Spitzenplatz der Augsburger Literaturveranstaltungen erkämpft. Das hundertste Jubiläum in der Augsburger Kresslesmühle war sogar schon Tage vorher ausverkauft. Freitag abend, 16.11. wurde nun der Jubeltag würdig begangen – und konnte im Finale dann auch wieder mit einer Überraschung trumpfen – ein Dreifachsieg! Die Centenarian Beachrockerz (Sebastian Giussani und Deniz Khan) improvisierten musikalisch wieder spontan zu Moderator und den Autoren und gaben so dem Abend noch einmal eine besondere Würze!

Erster Block
Peter Knuhr Peter Knuhr liebt Fleisch. Ganz ehrlich! Aber das die Liebe zu einem Kotelett so weit gehen muss? Aber andererseits hatte Gott doch auch Eva aus der Rippe Adams, also einem saftigen Stück Mittelstrang des ersten Mannes geschaffen… Amour fou pur zum Auftakt des Abends! Als zweiter kam Michael Stauner auf die Bühne. Er präsentierte seinen Beitrag zum dritten Augsburger Lesebuch “Schreibfluss”: Wasser unerschöpflicher Quell des Lebens? Ihm folgte Martin Geier, mein Slam-Master-Kollege aus Weißenburg. Er erzählte von seiner Zeit als stark eingeschränkt tauglicher Bundeswehrsoldat in einer wahrhaftigen Krüppelbrigade – zu blind, zu krumm, zu humpelnd schleppten sie sich von Einsatz zu Einsatz. Köstlich! Letzter im Block: Michael Friedrichs der von einem Festvortrag las, der lieber nie passiert wäre. Ätzende Kritik an bildungselitärem Gewäsch.

Peter Knuhr wurde ins Finale gesendet – und Deniz Khan, bei den Centenarian Beachrockerz für die Beats zuständig, freestylte auf Publikumwunsch über Hansi Hinterseer, dem Bahnstreik und das man sein Handy schon im Griff haben sollte, wenn man es eilig hat. Phantastisch!

Zweiter Block
Team Schreibstoff - Nils Rusche und Felix Brenner Dieser wurde von dem Bamberger Team Schreibstoff (Nils Rusche und Felix Brenner) eröffnet. Sie performten “Eine von Vieren / Einer von Zehn”, ein dramatische Lyrik über Kindesmissbrauch. Nach Schreibstoff trat Andrei Tomas auf, der zum ersten Mal bei einem Slam mitmachte, aber dafür hervorragende Bühnenpräsenz präsentierte und das Publikum mit seinem Gedicht über seine Exfreundin Anna stark beeindruckte. Ein tolles Debut – wirklich grandios! Gleich nach ihm sprang der Wahl-Memminger Maskatalta auf die Bühne. Sein erstes Gedicht war der Augsburger Allgemeinen gewidmet, denen er einmal einen Leserbrief sandte, der aber nie abgedruckt wurde. Er verwendete – wenn es denn das gibt – die fälschesten Vergangenheitsformen von Verben, die man sich vorstellen kann und prangerte damit die Sprachkunst manches AZ-Autors an. Sein zweiter Text “Katzen-ABC” war dagegen dem Kannibalen von Rothenburg gewidmet, der jetzt angeblich ein Kochbuch herausgeben will… Last but not least: Albrecht Rau mir mehreren Gedichten, darunter “Immer wenn man Scheiße schluckt” und das “Wegwerfgedicht / Für einen Mülleimer”.

Finale
Finale mit Team Schreibstoff und Peter Knuhr Nachdem das Team Schreibstoff ins Finale gewählt wurde, trafen die beiden Bamberger dort auf Peter Knuhr. Jetzt hatten die Finalisten nur noch drei Minuten Zeit zur Verfügung, die sie aber geschickt zu nutzen wußten. Peter Knuhr performte den Antivegetarier und Schreibstoff ihr “Mutmachlied”, das übrigens wie auch ihr erster Beitrag auf deren Schreibstoff MySpace-Seite zu finden ist. Mehrere Abstimmungen waren notwendig, um herauszufinden, wer der Sieger war: Unentschieden also alle drei! Hundert Slams waren notwendig gewesen um endlich einmal einen Triple-Sieg vermelden zu können: Peter Knuhr und das Team Schreibstoff, bestehend aus Nils Rusche und Felix Brenner. Gratulation!

Horst ThiemeDen Abschluss machte wieder Deniz Khan mit einem Freestyle – dieses Mal zum Thema “100 Poetry Slams sind nicht genug”. Eine wunderschöne Hymne, ein toller Rückblick – aber auch die eindeutige Aufforderung, weiter zu machen. So soll es sein!

Der nächste Augsburger Poetry Slam findet am Freitag, den 14.12.2007 statt. Mit dabei sind dann Karsten Hohage (Heidelberg) und Heiner Lange (Landshut). Mehr Infos wie immer unter www.slam-augsburg.de

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