Feinstaub in Augsburg

Inlineksater im StraßenverkehrAuf der täglich aktualisierten Webpage des Umweltbundesamtes ist die Anzahl der Tage deutscher Städte im laufenden Jahr, an denen der zulässige Grenzwert überschritten wurde, nachzulesen. Es handelt sich um eine traurige Highscore-Liste. Und Augsburg ist gut dabei! Zum Zeitpunkt des Postings ist Augsburg mit den Mess-Stationen Karlstraße und Königsplatz schon bei 33 Überschreitungen des Grenzwertes angelangt. Die Luftverschmutzung am Bourges-Platz und am LfU-Amt war 18mal über dem europäisch vereinbarten Grenzwert (die bayerischen/schwäbischen Werte gibt es hier). 35 sind aber im Jahr nur erlaubt.

Ist die Feinstaub-Diskussion wieder nur ein Medien-Hype? Was ist daran gefährlich – und welche Auswirkungen wird der Kampf gegen diesen für uns alle haben?

Als Feinstaub bezeichnet man die Teilmenge des Staubes, dessen Partikel einen aerodynamischen Durchmesser bis 10 Mikrometern (10 µm – die Partikel werden dann auch PM10 genannt) haben. Zum Vergleich: Ein Haar ist mehr als zehnmal dicker. Da diese Partikelgröße nur bedingt von den Schleimhäuten im Nasen/Rachenraum bzw. den Härchen im Nasenbereich zurückgehalten werden, wird der Feinstaub auch als inhalierbarer Feinstaub (bzw. als thorakaler) Schwebstaub bezeichnet. Ursache für diesen Feinstaub ist der Verkehr (besonders Diesel-Fahrzeuge) aber auch andere Verbrennungsprozesse in Kraftwerken und Heizanlagen sowie bei industriellen Prozessen.

Warum schimpfen alle auf die Autos?
Auf der Webpage des Staatsministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz kann eine Übersichtsgrafik gefunden werden, die die Verursacher der Fenstaubbelastung am Beispiel von 3 Verkehrsmessstationen in München aufzeigt. Daraus geht hervor, dass vereinfacht dargestellt ca. 25% der Feinsstaubbelastung durch den örtlichen Kfz-Verkehr und ca. 50 % aus der regionalen Hintergrundbelastung resultieren. Weitere Bestandteile sind Industrie- und Heizungsanlagen sowie sonstige städtische Einflüsse, die – bezogen auf das spezielle Stadtgebiet – sehr unterschiedlich ausfallen können. Kurzfristige luftqualitätsverbessernde Aktionen können sofort beim Verkehr begonnen werden. Deswegen wurde auch die Aktion “Sauber Dieseln” von den GRÜNEN gegründet, die von ADAC, BUND, Kinderschutzbund, Umweltbundesamt und vielen weiteren mehr unterstützt wird.

Angriffsorte von Partikeln PM10
Die kleinen Feinstaubteilchen stellen ein Gesundheitsrisiko dar: Zahlen der EU-Kommission belegen, dass in Europa knapp 300.000 Menschen pro Jahr an Folgen des Feinstaubs sterben – 65.000 davon angeblich in Deutschland.

Was tun?

AtemschutzDie hatte zunächst als erste bayerische Stadt einen Luftreinhalteplan erstellt: Zusammen mit der Stadt Augsburg und dem Landesamt für Umweltschutz (LfU) hat die Regierung von Schwaben im Auftrag des Ministeriums für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz einen Luftreinhalteplan für Augsburg erarbeitet. Ziel dieses Planes ist die Verbesserung der Luftqualität. Die neuen strengen Grenzwerte der EU für Feinstaub (PM10) und Stickstoffoxid (NO2) sind insbesondere im Bereich Königsplatz überschritten. Weiterhin besteht für eine Reihe von Straßen innerhalb des Stadtgebietes massive Grenzwertüberschreitungen. Die im Luftreinhalteplan enthaltenen Maßnahmen gliedern sich in verkehrliche und anlagenbezogene Maßnahmen. Die Gewichtung liegt verursacherbezogen beim Verkehr. Der vollständige Luftreinhalteplan ist auf den Internetseiten der Regierung von Schwaben zu finden.

Die Maßnahmen lassen sich folgendermaßen kurz zusammenfassen: Förderung des Öffentlichen Nahverkehrs (Umstieg auf Bus und Bahnen), regionaler S-Bahn-Verkehr, Parkraumregulierung, Förderung des Fahrradverkehrs, Rückbau der Straßen, sinnvollerer Energieverwendung und Verwendung alternativer Energiequellen.

Man sieht, dass die Augsburger Politik zumindest was die Förderung der Fahrradverkehrs und Planung einer neuen Straßenbahnlinie nach Hochzoll auf dem richtigen Wege ist.

Laut Bundes-Immissionsgesetz (BImSchG) ist übrigens die Landespolitik in der Pflicht! “Dummerweise” gibt es noch immer keine gesetzlichen Grundlagen in Bayern für Sperrungen von Straßen für den Autoverkehr oder Sanktionen gegen Feinstaubverursacher – das hatte die Politik erfolgreich verdrängt. Hatte man auf eine wundersame Lösung des Problemes gehofft? Oder nur die Augen verschlossen vor der Realität? Egal warum – man hat unverantwortlich gehandelt…

Weiterhin bringen aber die Luftverschmutzungen weiterführende Probleme mit sich, die in folgendem Diagramm nachvollziehbar sind. Klar kann man her nachvollziehen, woher die Umweltgifte kommen und welche Auswirkungen sie haben.

Abhängigkeit der Luftverschmutzungen
Legende:
SO2: Schwefeldioxid
NH3: Ammoniak
NO2: Stickoxid
O3: Ozon
VOC: flüchtige organische Verbindungen
PM: Feinstaub

Noch dramatischer werden sich jedoch die nächsten Grenzwerte, die ab 2010 verpflichtend werden, auf die Verkehrspolitik auswirken: Bei Stickstoffdioxin (NO2) ist zum Beispiel die Abhängigkeit vom Straßenverkehr noch deutlicher. Experten schätzen das 70-80% des Umweltgiftes durch den Straßenverkehr erzeugt wird. Auch hier können online die offiziellen Daten abgerufen werden.

Wie gesagt: Verbindlich werden diese NO2-Grenzwerte erst ab 2010. Vielleicht wollen diesesmal schon jetzt die verantwortlichen Politiker handeln, um nicht in die gleiche Problematik wie mit dem Feinstaub zu geraten und wie kopflose Hühner aktionistische Politik betreiben zu müssen.

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