Augsburgs 1. Fachtag Lesen: Schulen und Stadtbüchereien – wer kümmert sich um das Lesen?

Augsburg hat seinen ersten Fachtag Lesen organisiert. Ziel dieser breit angelegten Veranstaltung in der Stadt Augsburg ist es, die Lehrkräfte im Rahmen eines komprimierten Fortbildungstages bei der Professionalisierung ihres unterrichtlichen Wirkens zu unterstützen. In diesem Zusammenhang wurde das Thema: „Schule und Stadtbüchereien – wer kümmert sich ums Lesen?“ gewählt, da die Stadt Augsburg im Sommer 2009 im Herzen der Innenstadt die Neue Stadtbücherei mit vorbildlichem Konzept eröffnet hat. Die jetzigen Schüler an unseren Schulen werden als Bürger dieser Stadt in den kommenden Jahren diese Bücherei mit Leben füllen – aber ohne Freude am Lesen, ohne ausreichende Motivation, ohne Lesekompetenzen wird dies nicht möglich sein.
Organisiert wurde dieser Fachtag vom Staatlichen Schulamt und dem Bildungsreferat der Stadt Augsburg in Zusammenarbeit mit dem NetzwerkLESEN, einem Verbund Augsburger Schulen mit dem Ziel der aktiven Leseförderung.

In dem Impulsreferat von Raimund Senn, Experte in Sachen Leseerziehung aus Österreich, wurde die Tiroler Aktion „Schule des Lesens“ vorgestellt. Der Landesschulrat hat sich dort der Leseförderung besonders angenommen. Ein Team von Lehrern (darunter Senn) hat zusammen mit der Schulaufsicht Materialien erarbeitet, um Schüler, deren Lehrer und Eltern zu unterstützen. Diese basiert auf einem „Leseerlass“ in Tirol aus dem Jahr 1999, der die Leseförderung von Schülern beschlossen wurde. Ziel war hierbei eine differenzierte, individuelle Vermittlung zur Erhöhung von Lesesicherheit. Senn, der sich selber auf den Hautschulunterricht fokussiert, wurde von seiner Kollegin Claudia Kramer begleitet, die ihre Erfahrungen im Grundschulunterricht in einem Workshop am Nachmittag näher erläuterte. In einem zehnwöchigen Projekt werden zunächst die Kinder individuell gescreent („Salzburger Lesescreening“, verbindlich für die dritte Jahrgangsstufe) und danach individuell von Lehrern und Eltern gefördert. Ergebnis: Schulen, die an diesem Projekt teilnehmen haben statistisch weniger leseschwache Kinder als die anderen.

Anschließend verteilten die sich die mehr als 130 Besucherinnen und Besucher des Fachtages, neben Lehrern auch Lesepaten des Freiwilligenzentrums in Augsburg, auf acht Workshops an verschiedenen Veranstaltungsorten in der Augsburger Innenstadt. Unter anderem war Professor Dr. Kaspar Spinner mit einem Vortrag „Kreatives Vor – LESEN: Motivation als Anknüpfungspunkt für effektive Leseförderung“ vertreten, sowie Dr. Klaus Metzger, Referent für pädagogisch-fachliche Fragen der Grundschule an der Regierung von Schwaben, mit einem Workshop „vom LesenKÖNNEN zum LeseVERSTÄNDNIS“, sowie Hermann Ruch, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) über die Schulbibliotheken an Gymnasien – und was man damit machen kann. Prof. Dr. Gabriele Gien von der Universität Eichstätt berichtete in ihrem Workshop über Muttersprache und Leseerwerb und stellte insbesondere die Migrantenförderung im Leselernprozess in den Mittelpunkt ihres Vortrags. Dr. Sigel von der LMU München stellte sein Leseförderkonzept STIKK4 vor: stundenplanverankert, individualisiert, klassenübergreifend, kompetenzstufenorientiert und 4 Stunden in der Woche intensive Lesekompetenzförderung. Eine Schulbibliothekarische Arbeitsstelle vernetzt die Stadtbücherei Nürnberg mit den Nürnberger Schulen – Waltraud Auinger stellte ihre Arbeitsstelle und Ergebnisse vor. Duanne Moeser (Sportmanager des Augsburger Eishockeyvereins Panther) und Kurt Idrizovic (Buchhandlung am Obstmarkt) stellten ihre – manchmal auch ungewöhnlichen – Ansätze in ihrem Vortrag „Praktische Umsetzung der Leseförderung in Partnerschaften wie z.B. Panther/FCA“ vor. Auch das junge Knaben männliche Lese-Vorbilder benötigen, kam hier zur Sprache.

In einer abschließenden Podiumsdiskussion mit allen Referenten, die ich moderieren durfte, fassten wir kurz das Ergebnis des Tages zusammen – und es kam sehr wohl zur Sprache, das in Augsburg noch einiges zu tun sei. Kaspar Spinner nahm aber die Angst, vor der großen Aufgabe: „Auch kleine Schritte führen zum Ziel!“ Das dürfte den anwesenden Augsburger Schul- und Bildungsreferent Hermann Köhler bestimmt auch beruhigt haben – den in Zeiten knapper Kassen, wird er hier bei seinem Amtskollegen Prioritäten schaffen müssen.

Folgend einige Links, die ich mir an dem Tag notieren konnte und hier mehr oder weniger strukturiert wiedergebe. Wer weitere Links und Empfehlungen hat, kann diese gerne in  den Kommentaren speichern.

Tests zur Ermittlung der Lesekompetenz:

Webseiten aus Österreich im Umfeld der „Schule des Lesens“

Materialien und downloadbare Vorlagen der „Schule des Lesens“

Beispiele aus anderen österreichischen Bundesländern:

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