Computerspiele als eine eigene Kunstgattung

Super Mario CloudsSo fasst das jedenfalls der Titel von Kristine Ploug zusammen – Art Games is becoming a genre -, den sie auf artifical.dk Anfang Dezember veröffentlicht hat. Sie unterscheiden sich von normalen Spielen dadurch, dass sie als Kunstwerk gestaltet wurden, so Ploug. Sie verfremden die bekannten Spiele und nutzen deren Mittel, um soziale, gesellschaftliche oder politische Themen zu thematisieren. Auch auf der letzten Ars Electronica in Linz gab es hierzu einiges zu sehen…

Waco ResurrectionEin schönes Beispiel scheint mir hier der Waco Resurrection-Beitrag zur diesjährigen Ars Electronica der USamerikanischen Künstler Michael Wilson, Eddo Stern, Jessica Hutchins, Brody Condon, Peter Brinson und Mark Allen, zu sein. (Siehe auch meine Artikel über die Ars 2005: Erste und Zweite Lieferung).

“Waco Resurrection ist der erste Teil von ‘Endgames’, einer neuen 3D-Action-Serie für mehrere Spieler, die auf alternativen Utopien und apokalyptischen Momenten basiert”, so die Künstler. Die Serie will versuchen, Elemente subjektiver Dokumentation und experimenteller Fantasie mit der neuesten Spieletechnologie zu einer aufwühlenden Erfahrung zu verbinden, die auf extremen psychosozialen Phänomenen aufbaut

Wie von seinen Anhängern, den Davidianern, vorhergesagt, ist Vernon Howell (alias David Koresh) zur letzten Schlacht nach Mt. Carmel zurückgekehrt. In der Texas-Episode besuchen die Spieler das Waco von 1993 und schlüpfen mit Cyberhelm in die virtuelle Haut eines sprachgesteuerten, wieder auferstandenen David Koresh. Jeder Spieler tritt als Koresh in das Netzwerk ein und muss die Davidianer gegen interne Intrigen, skeptische Zivilisten, rivalisierende Koresh und den unaufhaltsamen Vorstoß der Regierungseinheiten verteidigen.

In Waco waren damals Sektenmitglieder mit dem FBI zusammengestoßen und hatten sich schließlich auf einer Farm verschanzt. Der Schluss war ein furchtbares Massaker, bei dem über 70 Menschen starben. Das Spiel “Waco Resurrection” verhandelt den Zusammenprall der Weltsichten neu, der dem Konflikt von 1993 zugrunde liegt, indem die Spieler aufgefordert werden, in die Rolle des wiederauferstandenen Sektenführers zu schlüpfen, um den heiligen Kampf gegen die Regierung zu führen. Das Spiel mit Gut und Böse, der Rollentausch und die Einnahme von ungewohnten Standpunkten ist dabei die Basis des Spielreizes.

Andere – weniger politische – Beispiele aus Deutschland finden sich zum Beispiel in den Abschlussarbeiten der Absolventen der Games Academy in Berlin. Viele weitere Beispiele werden ausführlich in dem oben erwähnten Artikel Art Games is becoming a genre aufgeführt; lesenswert.

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