Berliner Projekt „openmedia44“

openmedia44 ist ein offenes Medienkollektiv in Berlin/Neukölln, das im Bereich der unabhängigen Medienkultur arbeitet, der von Videokunst und elektronischer Musik über unabhängige Radio- und Fernsehproduktionen bis hin zur kreativen Anwendung von Internet und digitalen Multimedia-Technologien reicht. Frieder Bronner von openmedia44 erläutert den Grundgedanken: “Der Umgang mit Medien, mit Neuen Medien insbesondere, ist allgemein notwendig geworden für das Überleben in der Informationsgesellschaft. Dabei haben sich Hierarchien des Zugangs entwickelt, wodurch viele Menschen von wertvollen Informationen ausgeschlossen sind. Indem wir Zugänge für Einzelne und Viele öffnen, erweitern, vernetzen, tragen wir zur Gleichberechtigung in der Informationsgesellschaft bei.”

Frieder, den ich noch aus seiner Augsburger Zeit kenne und der jetzt in Berlin lebt, weiter: “In Neukölln sind über hundert Sprachen zuhause! Medienalphabetisierung ist auch die Kommunikation zwischen den verschiedenen (Sprach-)Kulturen an sich. Durch die Verbindung von vielen Sprachen und Neuen Medien können wir regional kommunizieren, was Global stattfindet. Dadurch werden regionale Handlungs- und Lösungsmuster weltweit kommunizierbar und verwendbar sein. OpenSource-Technologien werden uns dabei helfen.”

Im August 2005 wurde der Verein “openmedia44″ gegründet. openmedia44 e.V. bietet die Möglichkeit zum Gespräch, zur Vernetzung und inhaltlichen Seminaren und organisiert Veranstaltungen rund um das Thema Medien.

Aktuelle Projekte von openmedia44 sind unter anderem Kommunikation44, bei dem per Internet die Neuköllner via Wikipedia-System für den „Globus Berlin/Neukölln“ vernetzt werden soll. Eine Online-Enzyklopädie von Neukölln soll entstehen, die alle Fragen betreffend Neukölln wie Adressen,Geschichte, Kultur, Wirtschaft und besonders die Vielsprachigkeit der Neuköllnerinnen beantwortet. Das Projekt Radio108 soll mehrsprachiges Radio per Internetstream in Kooperation mit anderen Sendern werden. Internet for Artists unter der Webseite www.internetartists.de wurde zur Unterstützung von Webdesignkursen und Einführungen ins Internet gegründet.

Aber wie finanziert sich dieser Verein? Der openmedia44 e.V. wird von mehreren engagierten Aktivisten getragen, die nicht nur unentgeltlich arbeiten, sondern auch noch die Kosten dafür aufbringen müssen. „Deshalb haben wir den aufwändigen Weg der Vereinsgründung gewählt, um unsere Chancen auf Fördermöglichkeiten zu verbessern“, so Frieder Bronner. “Damit wir dafür überhaupt in Frage kommen, müssen wir Eigenmittel nachweisen und für jedes Projekt einen Eigenanteil aufbringen. Diese Leistungen wollen wir auch über Mitgliederbeiträge finanzieren! Bei einem jährlichen Mitgliedsbeitrag von 23 Euro brauchen wir monatlich etwa fünfzehn neue Mitglieder, um die nötigsten, fixen Kosten auszugleichen.”

Erfolgreiche Beispiele für eine solche Vorgehensweise gibt es genug: das “Freie Sender Kombinat – FSK” in Hamburg finanziert sich sogar ausschliesslich über Mitgliedsbeiträge und Spenden und betreibt damit ein Radiostudio und einen Radiosender mit eigener Frequenz im Großraum Hamburg – ohne Werbung, gemacht von mehreren hundert Mitarbeitern! Vom FSK ist auch der beliebte und oft wiederholte Jingle: “Mitglied werden – Mitglieder werben!”

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