Aus für den Augsburger Flughafen?

Die Augsburger Allgemeine meldete in der Ausgabe vom 14.5.05:
Flughafen AugsburgDer für 32 Millionen Euro geplante Ausbau des Flughafens Mühlhausen dürfte nach dem Rückzug von Demin Airways vom Tisch sein. OB Paul Wengert sieht “mittelfristig keine Chance zur Weiterentwicklung zum Verkehrsflughafen”. Selbst wenn neue Airlines kämen, gebe es wohl nicht so viele Passagiere, die so einen Ausbau notwendig machen. Da sich nun die “Parameter verändert haben”, setzt der OB dagegen auf einen “kleinen, feinen City-Flughafen” für Werks- und Charterflüge.

Blick aus dem Augsburger TowerEs scheint in Augsburg keine anderen Themen als Wirtschafts-Förderung durch Verkehrspolitik zu geben. Und im Mittelpunkt (neben dem kreuzungsfreien Ausbau der B17) steht der Augsburger Flughafen. Tagtäglich überschlagen sich Pressemeldungen, mit wem sich OB Wengert und Mitarbeiter getroffen haben, um den Mühlhauser Flughafen zu retten, auszubauen oder auch eine potenzielle Landsberger Flughafen-Lösung zu unterstützen. Der Flughafen – eine Marotte der Regenbogen-Regierung in Augsburg? Nein – auch die Vorgängerregierung kannte kaum andere Themen.

Getrieben werden die Regierenden dabei seit Jahren unter anderem durch die IHK, deren Vorsitzende Hannelore Leimer unermüdlich die unglaubliche hohe Bedeutung des Flughafens wiederholt. Der Augsburger Flughafen stellt für sie ein Dogma dar, die Einstellung des Flugverkehrs ein großer Tabubruch. Ich nehme an, wenn sie für jede einzelne dieser mantrahaften Foderungen einen Trip vom Augsburger Flughafen hätte buchen müssen, wäre der Augsburger Flughafen nicht von einer Schließung bedroht. Die Wirtschaftlichkeit dieses Flughafen-Standortes wäre keine Diskussion mehr wert, so viel Geld würde hier gemacht.

Seit 2002 hat die Stadt 23 Mio. Euro in den Flughafen gesteckt.

Flughafen AugsburgAuch weitere Wirtschaftsführer im Augsburger Land sind beleidigt, dass man ihnen ihr Spielzeug weg nehmen will, wie zum Beispiel Stefan Holzamer, Vorsitzender des Industrie- und Handelsgremiums (IHG). Er sei sauer, “weil die Region auf dem besten Wege sei, ein unverzichtbares Element der Verkehrsanbindungen der Region zu verspielen” (AZ, 14.5.2005).

Wie passt das aber zusammen, dass der Flughafen zum Einen angeblich so immens wichtig sei und die Tatsache, dass anscheinend keiner diesen nutzen will? Diese Antwort bleibt Holzamer, Leimer und Co. schuldig. Aber die Politik widerkäut diese Meinung stur – und traut sich nicht, einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu folgen und den Flughafenbetrieb einzustellen. Andere Konzepte gibt es zum Beispiel von den Grünen.

Alternative: Ausbau der Zuganbindung von Augsburg an den Münchner Flughafen?

Nach dem Aus für den Regionalflughafen Lagerlechfeld fordert die grüne Landtagsabgeordnete Christine Kamm eine bessere Verkehrsanbindung der Region an den Münchner Flughafen. Ihre Forderung werden durch eine Studie, die das Verkehrsbüro Vieregg+Rössler im Auftrag von Christine Kamm und der grünen Stadtratsfraktion Augsburg erstellte, untermauert.

So wie es aussieht, muss sich der Oberbürgermeister ein neues Hauptthema für seine Politik suchen. Aber was würde passieren, hätte der Augsburger Oberbürgermeister plötzlich Zeit für andere Beschäftigungen? Hätten wir dann eine funktionierende Wirtschaftspolitik – und hätten schon längst die lästigen Diskussionen um die erfolglose Augsburg AG und dessen glücklosen Manager Gerhard Leypoldt beendet? Umweltpolitisch: Hätten wir die Diskussion um den Feinstaub in Augsburg schon erledigt? Und kulturell: Hätten wir dann schon längst eine neue Stadtbücherei?

Wenn der OB dafür mal Zeit hätte, das wäre doch wirklich wünschenswert!

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