Augsburger Kunstförderpreis 2009 verliehen

Die Stadt Augsburg vergibt seit dem Jahr 1958 – damals noch ausschließlich in der Bildenden Kunst – einen Kunstförderpreis. Im Laufe der Zeit sind mehr und mehr Sparten hinzugekommen: 1970 Musik, 1980 Literatur, ein Jahr später Architektur und dann seit 1987 die Sparte Ballett. Weil in einem Jahr der Preis nicht verliehen wurde feierten wir heuer am 2. Dezember 2009 tatsächlich nicht nur die aktuellen Preisträger – sondern auch die 50. Verleihung des Preises seit 1958! Die diesjährigen Preisträger waren in der Sparte Tanz Jennifer Ruof (Maureen Denman Preis) und Valentin Braun (Kunstförderpreis Ballett), Maximilian Lika (Gesang), Barbara Meyer (Komposition), Robert Stark (Bildende Kunst) und Kathrin Schrocke (Literatur). Die Preisübergabe nahm Kulturreferent Peter Grab vor, die Moderation des Abends durfte nach 2006, 2007 und 2008 wieder ich übernehmen.

50 Jahre Kunstförderpreis in Augsburg – das sind in Zahlen ausgedrückt: 19 Preisträger in der Architektur, 18 beim Ballett, in der Bildenden Kunst 67 Preisträger, in der Sparte Musik 39 und im Bereich Komposition bis gestern abend sogar nur ein einziges Mal! In der Sparte Literatur wurde 16 Mal der Preis verliehen (weil auch darunter Literaturgruppen – Gruppe sprachlos, 1982 und Literaturzeitschrift Zeitriss, 1995 – waren, also eigentlich noch mehr Personen). Insgesamt also bis heute 156 Künstlerinnen und Künstler!

„Sinn und Zweck des Preises ist es, außergewöhnliche, künstlerische Begabungen auf den Gebieten der Architektur, des Balletts, der Bildenden Kunst, der Literatur und der Musik anzuerkennen und ihre künftige Entwicklung auch in finanzieller Hinsicht zu fördern“, so die Richtlinien zu dem Preis. „Die Bewerber müssen entweder im Raum Augsburg geboren sein ODER bei Ablauf der Bewerbungsfrist mindestens drei Jahre ihren Wohnsitz im Raum Augsburg haben.“

Maureen-Denman-Preis
Neben dem Kunstförderpreis wurde auch der Maureen-Denman-Preis verliehen, der nach seiner Stifterin benannt ist und durch die Theaterfreunde Augsburg verliehen wird. Der Maureen-Denman-Preis ist ein Zusatzpreis, der außerhalb des Reglements des Kunstförderpreises steht – aber mit den Kunstförderpreisträgern gemeinsam verliehen wird. Preisträgerin 2009 war Jennifer Ruof.

Jennifer Ruof wurde 1992 in Augsburg geboren. Eigentlich sah es nach einer ganz anderen Karrierentwicklung als Ballett bei Jennifer Ruof aus: Seit dem Jahr 2000 war sie regelmäßig unter den ersten Plätzen, ab 2002 sogar immer auf dem ersten Platz im Landesfinale bei den Rhytmischen Sportgymnastik Wettkämpfen zu finden. 2005 beim Deutschen Turnfest Berlin war sie sogar im Bundesfinale vertreten und hat dort im Synchronwettkampf sogar den ersten Platz gewonnen. Erst seit 2005 hat sie sich relativ spät dem Ballett verschrieben und bekam ihre erste Ausbildung in der Ballettakademie Erich Payer. Seit September 2007 wechselte sie zum Ballettförderzentrum Nürnberg wo sie auch ein Jahr später ihre Ausbildung begann.

Kunstförderpreis in der Sparte Ballett
Der eigentliche Kunstförderpreis in der Sparte Ballett ging an Valentin Braun, bislang übrigens der erst vierte männliche Preisträger in dieser Sparte in der 50jährigen Geschichte des Augsburger Kunstförderpreises. Valentin Braun, 1989 in Augsburg geboren und aufgewachsen in Mering besuchte ebenso das Gymnasium bei St Stephan in Augsburg. Bereits mit 4 Jahren besuchte er den Ballettuntericht in der Ballettschule Margit Pürsch in Mering. Seit dem Sommersemester 2000 (also mit knapp 11 Jahren) war Valentin Braun Jungstudent an der Heinz-Bosl-Stiftung in München, wo er Unterricht im klassischen und modernen Tanz erhielt. Ab 2006 besuchte er die Ballettschule Otevrel in Augsburg. Seit 2008 studiert Braun in der Schweiz an der Tanz Akademie Zürich.

In seiner bereits schon beachtlichen Laufbahn konnte Valentin Braun schon einige Bühnenerfahrungen sammeln, wie zum Beispiel bei Auftritten im Rahmen von Schulvorstellungen unter anderem im Theater Augsburg, an der Bayerischen Staatsoper München oder in dem Haus der Künste in Zürich.

„Für die Jury war es sehr deutlich, dass Valentin Braun im vergangenen Jahr in der Tanzakademie Zürich bereits enorme Fortschritte gemacht hat. Die Jury ist sich sicher, dass dieser junge Tänzer noch eine lange Karriere vor sich hat, die ihm und ebenso der Stadt Augsburg noch viel Anerkennung bringen wird“, so die offizielle Begründung des Urteils.

Sparte Musik
In der Sparte Musik verliehen wurde der Kunstförderpreis auf zwei junge Talente aufgeteilt. Die erste Hälfte des Preises ging an einen jungen Bariton. Er kommt aus einer Musikerfamilie – und so wie es scheint, trägt er die Familientradition auch mit Erfolg weiter! Maximilian Lika, 1985 geboren, wuchs in einer äußerst musikalischen Familie auf, in der er schon in frühen Jahren Geige und Klavier lernte. Diese Fähigkeiten wurden im musischen Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg durch sein Mitwirken in Chor und Orchester unter Pater Anselm Mayer weiter gefördert. Früh erhielt sein Knabensopran Gesangsunterricht bei Elisabeth Haumann. Seine ersten solistischen Auftritte hatte er schon im Kindesalter, wie z.B. gemeinsam mit seinem Vater Peter Lika in Mendelssohns “Elias“ in der Partie des “Knaben“ in der Kongresshalle Augsburg als auch im kirchlichen Bereich.

Mit bereits 21 Jahren war Lika Finalist beim Bundeswettbwerb Gesang, da hatte er gerade mal ein Jahr die Schule abgeschlossen… Seit 2004 war er Student an der Hochschule für Musik Nürnberg-Augsburg bei Prof. Dr. Edith Wiens. 2006 wurde er Stipendiat der Musikerförderung des Cusanuswerkes, seit 2008 des Richard-Wagner-Verbandes. Im gleichen Jahr wurde er zusätzlich auch Stipendiat von Yehudi Menuhins „Live Music Now“.

Maximilian Lika pflegt ein reges Konzertschaffen. Aber auch erste Erfahrungen im Bereich Musiktheater und Oper konnte der junge Sänger sammeln. Er gastierte bei Musik-Festivals, wie beispielsweise den Haller und den Landberger Bachtagen, dem Musica Sacra Festival Paderborn, den Koblenzer Mendelssohn Tagen und arbeitete mit Orchestern, wie zum Beispiel dem Bayrischen Staatsorchester oder den Prager Philharmonikern, zusammen.

Der zweite Teil des Preises – nach 50 Jahren endlich zum zweiten Mal einen Preis für Komposition – ging an Barbara Mayer. Die äußerst hohen Anforderungen der Teilnehmerbedinungen in der Sparte Komposition hat sich bestimmt auch auf die Anzahl der Bewerbungen ausgewirkt: Tatsächlich müssen bei einer Bewerbung fünf komplett ausnotierte Werke dirch die Bewerber vorgelegt werden: davon ein Kammermusikwerk, ein Vokalwerk (Gesang mit Begleitung oder Chor), ein Orchesterwerk sowie 2 weitere Werke in Besetzung freier Wahl. Da das Höchstalter bei 29 Jahren liegt, ist das natürlich durchaus eine Herausforderung!

Barbara Mayer, 1982 in Schwabmünchen geboren, war zunächst im Anna Gymnasium, dann auf dem Gymnasium bei St Stephan in Augsburg. Bereits mit 5 Jahren hatte sie ersten Klavierunterricht, gefolgt von Violine und Violon-Cello. Sie studiert seit 2003 Komposition an der Universität Mozarteum Salzburg bei Adriana Hölszky sowie Klavierpädagogik und Konzertfach in Salzburg und Linz.

Sie ist Preisträgerin mehrerer Klavierwettbewerbe. Als Jugendliche mehrfach als Schülerin unter anderem bei „Jugend musiziert“ – zuletzt mit einem 1. Preis beim Concorso Internazionale „Paul Harris“ im italienischen Verbania. Verbunden war hier ein Stipendium für eine Masterclass bei Konstantin Bogino in Mailand. 2005 schrieb sie für einen Meisterkurs der Sommerakademie in Prachatice / Tschechien das Blockflötentrio „Exchanges“.

2007 legte sie das Bakkalaureat für Komposition mit Auszeichnung ab. Derzeit bereitet Barbara Mayer sich auf die Masterabschlüsse in den Studienfächern an den Musikuniversitäten in Salzburg und Linz vor.

In der Urteilsbegründung hob die Jury ihre „erstaunliche Professionalität“ hervor. „Sie vereint strukturelle Klarheit mit der Fähigkeit zu subtiler Klanglichkeit. Dies bewirkt große atmosphärische Dichte und sinnlich intensive Klangerlebnisse. (…) Sie überbrückt Grenzen von Stilen und Genres, sie sprüht vor Ideen und Expressivität und zeigt in großer Experimentierfreude, dass sie auch außer-musikalische Gestaltungsmittel einbeziehen kann.“ Besonders freuen wird sich die Preisträgerin über den Abschlusssatz der Begründung: „Die Jury hält eine Aufsehen erregende Entwicklung für möglich.“

Sparte Bildende Kunst
Diese Sparte hat traditionsgemäß die meisten Bewerberinnen und Bewerber. Wieder haben 16 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke eingereicht. Damit hatte die Jury es bestimmt wieder nicht einfach, aus so vielen Talenten den Preisträger auszuloten. Die Jury konnte sich jedoch auf Robert Stark einigen.

Robert Stark wurde 1974 in Augsburg geboren. Nach seinem Abitur 1993 begann er eine Schreinerlehre in Garmisch-Partenkirchen. Er studierte danach Bildhauerei bei Prof. Nikolaus Gerhart und Prof. Hermann Pitz an der Akademie der bildenden Künste München. 2005 erhielt er sein Diplom. In den folgenden Jahren war er im Bayerischen Staatsschauspiel in München beschäftigt.

Robert Stark präsentiert seine Werke bereits seit 2000 bei Gruppenausstellungen in Deutschland, wie z.B. 2005 bei der Ausstellung „Schwarz Brot Gold“ des Kunstverein Oldenburgs, 2007 bei der Ausstellung „Die Gegenwart des Vergangenen – Strategien im Umgang mit sozialistischen Repräsentations-Architektur“ des Forums für Wissenschaft und Kunst in Leipzig, oder 2008 bei „Die ersten Jahre der Professionalität“ der Galerie der Künstler München und in der Sommerakademie im Zentrum Paul Klee Bern.

Robert Stark schafft insbesondere Plastiken und Installationen, die sich auf architektonische Formen und Elemente beziehen. Dabei setzt er sich unter anderem mit der Geschichte der Architektur, sowie ihrer Rolle in verschiedenen politischen Systemen auseinander. Seit April 2009 ist der Bildende Künstler für ein Jahr als Stipendiat im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg zu Gast.

Im Zentrum der Arbeit der letzten Jahre von Robert Stark steht die Auseinandersetzung mit dem Thema „Architektur“. Die pure Formensprache seiner reduzierten und konzeptionell durchdachten Arbeiten inszeniert vorhandene architektonische Räume neu und stellt die Auseinandersetzung mit Architektur unmittelbar dar. Sehr spannende Installationen und Objekte kommen dabei heraus – sehenswert.

Literatur – diesmal mit Schwerpunkt Kinder und Jugend
In der Sparte Literatur bekam Frau Kathrin Schrocke den Augsburger Kunstförderpreis. Kathrin Schrocke wurde 1975 in Augsburg geboren. Nach ihrem Germanistik- und Psychologiestudium belegte sie einen zweijährigen Fernkurs zum Thema Kinder- und Jugendliteratur in Wien. Daneben war sie als Presseassistentin im Verlagswesen tätig, arbeitete als Praktikantin bei BRIGITTE young miss und als Gastdozentin an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg.

Seit 2004 nach der ersten eigenständigen Veröffentlichung beschloss sie als freischaffende Autorin tätig zu werden. Kathrin Schrocke schreibt Erzählungen, Theaterstücke (darunter das erste bereits noch während ihrer Schulzeit am Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen) und hat bis jetzt schon eine beachtliche Anzahl von Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht.

Schrocke sammelte dabei auch einige Preise ein – sei es der Anerkennungspreis des bayerischen Kultusministeriums, den Dillinger Kulturpreis, das Buch des Monats August 2004 (Buchzeit), die Aufnahme in der Liste „Die 50 besten Bücher“ der Zeitschrift „Familie&Co“, sowie: Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk/Deutschlandradio) und viele weitere mehr.

Dem Arbeitsstipendium im Künstlerhaus Lukas (Ahrenshoop), gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2007 folgte ein weiteres Arbeitsstipendium im internationalen Künstlerdorf Schöppingen, gefördert durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Das Juryurteil betonte die „gekonnten Personendarstellung, die geprägt ist von differenzierten, vielschichtigen und dadurch glaubwürdigen Charakteren“. Auch dass die „erzählten Situationen in Kathrin Schrockes Geschichten vielschichtig und atmosphärisch stimmig (sind), so dass die Texte eine realistische, substanzreiche und immer auch ermutigende Wirkung ausstrahlen“ gefiel den Jurymitgliedern.

Nach 50 Jahren Kunstförderpreis Augsburg, nach 156 ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstlern ist natürlich hiermit noch lange nicht Schluss. Dieses besondere Jubiläum möchte die Stadt Augsburg natürlich nutzen, auch einmal zurückzublicken und zu schauen, was denn eigentlich aus den vielen Künstlern geworden ist. Ab Februar 2010 wird es eine Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe mit vielen verschiedenen Konzerten, Ballett-Abenden und Lesungen geben. In dieser Reihe wird aufgezeigt werden, was damals prämiert wurde und wie sich die Künstler entwickelt haben!

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