Augsburger Kunstförderpreis 2008

Gestern abend wurde der 49. Kunstförderpreis verliehen. Preisträger waren Tim Allhoff (Jazz/Komposition), Maria Bader und Sandra Schlecht (geteilter Preis, Sparte Ballett), Lydia Daher (Literatur), Sebastian Giussani (Bildende Kunst) sowie Susan Twine (Architektur). Mitten im Goldenen Saal des Augsburger Renaissance-Rathauses wurde Urkunde und Scheck durch Kulturreferent Peter Grab verliehen – die Moderation übernahm im dritten Jahr wieder ich.

Tim Allhoff
Tim Allhoff wurde 1980 in Augsburg geboren und erlernte von Kindesbeinen an das Klavierspiel – und das autodidaktisch! Seine Leidenschaft für die Kunstform des Jazz etablierte sich schnell und so sammelte er bereits in jungem Alter Erfahrungen in verschiedenen Jazz-Formationen im süddeutschen Raum. Nach einer klassischen Klavierausbildung studierte er am Münchner Richard-Strauß-Konservatorium Jazz-Piano, wo er sein Studium 2007 mit Magna Cum Laude abschloss. 2006 gewann er den 2. Preis beim renommierten Gasteig-Wettbewerb, worauf die Ur-Aufführung seiner Komposition »triptychon für solo-piano« im Carl-Orff-Saal in München folgte. Tim Allhoff machte sich schnell weit über den süddeutschen Raum hinweg einen Namen! Im Laufe der letzten Jahre bestritt der 28-jährige viele Konzerte und Tourneen, die ihn durch fast ganz Europa führten.

Die Jury bewertete die instrumentalen Fähigkeiten und das Improvisationsvermögen, die Auseinandersetzung mit der Jazztradition hinsichtlich Interpretation und Kreativität im Umgang mit dem Ausgangsmaterial, die Kommunikation und Interaktion mit den Mitmusikern, die Leaderqualitäten und die Präsenz im Vortrag. „Bei aller professionellen Kompetenz im Vortrag, blieben Sensibilität im Zusammenspiel, Spontaneität und Risikobereitschaft, die für eine hohe Improvisationskunst unabdingbar sind, nicht auf der Strecke“, so die Jury.

Maria Bader
Maria Bader, die erste Preisträgerin in der Sparte Ballett kennen wir noch von der Preisverleihung im letzten Jahr. Da hat sie nämlich den Maureen Denman Preis gewonnen, der auch im Rahmen des Kunstförderpreises verliehen wird! Bader wurde am 1. Januar 1991 in Augsburg geboren. Schon im Alter von zwei Jahren drängte es sie auf die Bühne und hatte in diesem zarten Alter bereits ihr Debüt als tanzendes Ahornbäumchen. Maria Bader schloss sich dann 1999 der Ballettschule Fachakademie Erich Payer an, bei der sie bis heute ist. Neben dem Tanz hat sie auch noch eine zweite Leidenschaft – das Geigen- und Bratschenspiel, das sie auch seit 2005 ins Kammerorchester Maria Stern gebracht hat.

„Maria Bader ist einer der seltenen Menschen, die mehr als nur ein Verlangen spüren zu tanzen und zudem auch der Überzeugung sind, dass es die Erfüllung ihres Lebensziels ist. Ihr beim Trainieren, Üben oder bei einem Auftritt zuzusehen, gleicht sich am Erblühen einer künstlerischen Seele zu erfreuen, die eindeutig für die Bühne geschaffen ist“, urteilte die Jury.

Sandra Schlecht
Die zweite Preisträgerin ist Sandra Schlecht, die 1993 in Augsburg geboren wurde. Seit 2001 besucht sie die Ballettschule Dance Center No. 1 und hatte auch bereits diverse Auftritte z.B. zur Kanu WM Gala.  Sandra Schlecht hat an Tourneen in die Türkei und Amerika teilgenommen. Seit 2003 besucht sie das Gymnasium Maria Stern, nahm 2006 eine Gesangsausbildung auf und besucht seit diesem Jahr das Vorstudium an der Akademie des Tanzes in Mannheim.

Die Jury lobte bei ihr besonders ihr angeborenes „Gefühl für Drehungen, dessen Seltenheit und Wert am ehesten mit dem Gespür für die perfekte Tonhöhe eines Musikers vergleichbar ist.“

Susan Twine
Zur Architektur: Susan Twine, 1971 in Bonn geboren nahm 1990 ihr Architekturstudium an der RWTH Aachen auf.  1993 führte sie ein Auslandspraktikum nach Cambridge zu Saunders Boston Chartered Architects, dann ein Auslandsstudium an die Ecole d’architecture La Villette nach Paris, wo sie auch ein Erasmus-Stipendium innehatte. Ihre Diplomarbeit 1994-96 ging über die Erweiterung des Prager Kunstgewerbemuseums Umprum, die sie auch zu ihrem Diplom der Architektur mit dem Schwerpunkt Städtebau führte. Seit dem erfolgreichen Abschluss war sie in diversen Projekten eingebunden, zum Beispiel bei MOW Architekten & Ingenieure (Frankfurt), Cesar Pelli & Associates (New Haven, USA), Fritz Hubert (München) sowie dem Büro gmp (Gerkan, Marg und Partner in Aachen), die u.a. den neuen Hauptbahnhof Berlin verantworteten. Seit 2004 ist Frau Susan Twine freie Architektin in Augsburg. Als Anekdote darf man erzählen, dass Frau Twine nicht nur hochschwanger zur Präsentation ihrer Arbeiten erschienen ist: sie hatte eigentlich sogar zwei Tage später den offiziellen Geburtstermin!

„Bei aller Vielfältigkeit der bearbeiteten Themen – lassen sich immer Begeisterung und hohe Kreativität, von der Ideenfindung bis zur Umsetzung, erkennen“, so die Fachjury, „Die eingereichten Arbeiten haben alle gemeinsam die sehr präzise Definition von Inhalten und eine an die Aufgabenstellung angepasste, selbstverständlich wirkende Formensprache. Die Lösung der Aufgabe steht im Vordergrund und wird bis ins Detail präzise entwickelt.“

Sebastian Giussani
Nun zur Bildenden Kunst: Auch in dieser Sparte hat sich der Bewerberrekord des letzten Jahres erhalten!  Wieder haben 25 Künstlerinnen und Künstler ihre Werke eingereicht. Damit hatte die Jury es bestimmt wieder nicht einfach, aus so vielen Talenten den Preisträger auszuloten. Und doch haben sie es geschafft: Sebastian „Badan“ Giussani wurde 1974 in Wertingen geboren. Sein Abitur legte er
1994 am Gymnasium bei St. Stephan ab. Zunächst verdingte er sich jedoch von 1997–2001 als Verkäufer und Qualitätsmanagementbeauftragter bei einer mittelständischen Druckerei um dann von 2001–2008 das Studium an der Akademie der Bildenden Künste, München aufzunehmen. 2005 wurde er zum Meisterschüler von Prof. Hermann Pitz ernannt. Seine Auszeichnungen umfassen die Nominierung zum Ars Viva Preis 2006, den Kunstförderpreis der Steuerkanzlei Peitner und Partner 2007. Im gleichen Jahr bekam er den STIBET, das Stipendium des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD). 2008, wo er auch den Kulturpreis Bayern der EON AG erhielt, schloss Giussani mit einem Diplom sein Studium an der Akademie der Bildenden Künste ab.

Persönlich kenne ich Badan bereits seit Jahren – und immer als Grenzgänger zwischen Musik und Kunst. Bei dem von mir seit über zehn Jahren moderierten Poetry Slam in der Kresslesmühle hab ich ihn auch immer als begnadeten Musiker vor Augen (in dem Fall wäre „vor Ohren“ auch richtig). Dort improvisiert er seit Jahren mit seinem Kompagnon Deniz Khan zu Autorenlesungen…  Das Studium der Musik an einem Konservatorium wäre also eine tatsächliche Option gewesen – gegen das er sich aber bewusst entschieden hat. Die Bildende Kunst sei, so sagte einmal Sebastian Giussani, eher geeignet, als die kanonisierte Musikwelt, Neuerungen im Klanglichen zu ermöglichen. Giussani hat die Bildhauerei immer innovativ, experimentell und als Klangkunst verstanden.

Er nimmt dabei bewusst in Kauf, daß er im akademischen Sinn ein Außenseiter wird, und auch im merkantilen Sinn. Denn der Kunsthandel und andere Verwerter künstlerischer Produkte tun sich noch schwer mit dieser nicht einzuordnenden Klangkunst, die dem taktilen und haptischen zugewandt ist und damit eben eher Bild ist als Musik. Giussani hat – das hat er bei Auftritten zum Beispiel beim Augsburger Kunstlabor lab30 gezeigt, kontinuierlich in dem, was er „Konzert“ nennt, Künstler, Musiker und Elektroniker zusammengebracht. Sie bilden eine Klangskulptur im Konzert, im Dialog oder im Konflikt aus: Tongeneratoren werden zerlegt und reduziert bis zu den Ursprüngen des Klanglichen.

„Sebastian Giussanis Kunst befindet sich an der Schnittstelle von Bildhauerei und Klang. So wird zum Beispiel durch das Zerstören und wieder neu Zusammensetzen sein ‚Coma Keyboard‘ zum kubistischen Körper. Zugleich werden die verhallten Klänge und die Geräusche des Zerstörens zum Bestandteil und zur Qualität der Skulptur im Sinne seines erweiterten Kunstbegriffes“, so die Jury.

Lydia Daher
In der Sparte Literatur wurde die ’80 in Berlin geborene Lydia Daher ausgezeichnet. Von 1990–1992 besuchte sie das Lessing Gymnasium in Köln, dann von 1992–1999 das Kopernikus Gymnasium in Niederkassel. Von 1999–2005 Studium an der Universität Augsburg mit Magisterabschluss Medienpädagogik, Psychologie und Soziologie. Lydia Daher ist seit diesem Jahr freiberuflich künstlerisch tätig: Konzerte und Lesungen, Leitung von diversen Schreibworkshops, darunter zum Beispiel auch im Rahmen des abc Brecht-Festivals. Auf dem äußerst renommierten Label Trikont kam letztes Jahr ihre CD heraus mit selbstproduzierten Songs.

Dass sie das mit den Texten gut kann, das weiß ich persönlich schon, seit ihren ersten Auftritten beim Augsburger Poetry Slam Ende des letzten Jahrtausends im damaligen Blauen Salon. Ich werde nie diese noch sehr nervöse junge Dame vergessen mit einem roten Barrett auf dem Kopf, die gerne auch mal ihren Text vergessen hatte und dann nochmal losmusste, um den zu holen. Schon damals war mir klar: die hat was drauf!

Auf den Lesebühnen Deutschlands konnte sie das aber noch weiter beweisen und gewann nicht nur unzählige Slams, sondern war sogar auch beim German International Poetry Slam – quasi der Champions League des Poetry Slams – 2005 in Leipzig vertreten, wo sie verdient den dritten Preis errang. Lydia Daher kann bereits auf mehrere Veröffentlichungen Lydia Daher zurückblicken, zuletzt „Kein Tamtam für diesen Tag“ bei Voland & Quist dieses Jahr. Mit dem von der Presse euphorisch gefeierten Debut als Sängerin geht sie nun auch neue Wege.

„Lydia Daher kommt mit ihrer literarischen Produktion einerseits aus dem Bereich der Spoken-Word-Dichtung, andererseits spricht alles dafür, sie auch als „Schrift“-Stellerin wahrzunehmen, deren Texte aus hochverdichtenden Schreibakten hervorgehen“, lautete das Jury-Urteil. „Ihr lyrisches Sprechen zeigt eine immense thematische Bandbreite, von Innenerkundungen über Liebeslyrik bis hin zu Naturbeobachtungen und gesellschaftsreflektierenden Texten. Ebenso beeindruckend ist aber auch die Sicherheit, mit der überraschende Bildverknüpfungen entstehen, sich Sprachdurchleuchtung ereignet und scheinbar geläufige Sprachformeln transformiert werden.“

Die Preisverleihung wurde dank der vielen Beiträge der Preisträger sehr kurzweilig!

Der Augsburger Kunstförderpreis
Die Stadt Augsburg vergibt seit dem Jahr 1958 – damals noch ausschließlich in der bildenden Kunst – einen Kunstförderpreis. Im Laufe der Zeit sind mehr und mehr Sparten hinzugekommen: 1970 Musik, 1980 Literatur, ein Jahr später Architektur und dann seit 1987 die Sparte Ballett. „Sinn und Zweck des Preises ist es, außergewöhnliche, künstlerische Begabungen auf den Gebieten der Architektur, des Balletts, der Bildenden Kunst, der Literatur und der Musik anzuerkennen und ihre künftige Entwicklung auch in finanzieller Hinsicht zu fördern.“ Dieses Jahr war der Preis wieder mit stolzen 3000 Euro dotiert. „Die Bewerber müssen entweder im Raum Augsburg geboren sein ODER bei Ablauf der Bewerbungsfrist mindestens drei Jahre ihren Wohnsitz im Raum Augsburg haben.“

Bewerbungsfrist für den nächstjährigen Kunstförderpreis ist der 1.-31. Mai 2009 – Infos unter www.kulturbuero.augsburg.de

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  3. dieser augsburger preis, das ist doch eine strafe und kein preis, finde ich, oder?

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